Atempause für Steinbrück

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SPD-Kandidat Peer Steinbrück in Hannover.

Berlin - Der Kanzlerkandidat bleibt trotz des Erfolgs in Hannover in der SPD unter Beobachtung. Bei neuen Ausrutschern dürfte die Debatte rasch wieder losgehen.

Der Parteichef übernimmt zunehmend die eigentliche Wahlkampfregie.

Der Kandidat fällt kaum auf. Als Sigmar Gabriel zusammen mit Stephan Weil am Montag die Honneurs der Mitarbeiter in der SPD-Zentrale entgegennimmt, wird Peer Steinbrück nicht aufs Podium gebeten. Er steht inmitten der übrigen Parteispitze etwas verloren am rechten Rand. Für weitere öffentliche Selbstkritik daran, dass er den Genossen in Niedersachsen um Haaresbreite den Wahlsieg verhagelt hätte, sieht man offenbar keinen Bedarf.

Steinbrücks Name spielt auch bei den beiden Akteuren auf der Bühne kaum eine Rolle. Der Dank des Wahlsiegers von Hannover für Steinbrücks Wahlkampf-Einsätze klingt eher wie eine Pflichtübung.

Weil, der verspätet mit dem Zug in Berlin eintraf, ist anzumerken, dass er seinen Last-Minute-Sieg immer noch nicht ganz fassen kann. Besonders freue er sich darüber, wieder einmal für „gute Laune“ im Willy-Brandt-Haus gesorgt zu haben, verkündet er in der für ihn typischen bescheidenen Art.

Ganz andere Töne schlägt der Parteichef an. Der Hinweis, dass Niedersachsen nach zehn Jahren bald wieder von einem Sozialdemokraten regiert wird, hat auch etwas Gabriels eigener Biografie zu tun. Er war es, der 2003 mit einem für SPD-Verhältnisse damals katastrophalen Ergebnis von 33,4 Prozent von den Wählern aus dem Amt gejagt wurde. Weil schaffte jetzt den Wechsel sogar mit zwei Prozent weniger.

Doch mit der Ursachenforschung dafür hält sich Gabriel nicht auf. Er spricht von einem „hart erkämpften und verdienten Sieg“ der Genossen im Norden. „Und wie bei jedem Krimi, den es in Deutschland gibt, gewinnen am Ende die Guten“, lautet die Pointe. Und für ihn steht eine weitere Lehre des Wahlabends fest. Die in Niedersachsen erfolgreichen Rezepte, „eine Politik von unten“, würden auch für den Bundestagswahlkampf gelten, gibt Gabriel als weitere Linie vor.

Solche Botschaften hätten einige auch ganz gern vom Kanzlerkandidaten gehört. Doch der zieht sich wortlos schnell wieder in die oberen Etagen der SPD-Zentrale zurück.

Gut zwei Stunden später tritt die SPD-Generalsekretärin zu seiner Verteidigung an. Andrea Nahles verwahrt sich gegen „spitzfindige Fragen“, wie groß tatsächlich der Rückhalt des Kandidaten in der Partei sei. Sie spricht von „aufgebauschten Medienberichten“, mit denen versucht worden sei, Steinbrück fertig zu machen. „Die Differenz ist nicht vorhanden“, beschreibt Nahles das Verhältnis von SPD und Spitzenmann und fügt hinzu: Dass man jetzt noch eine „Schippe drauflegen muss, das ist auch Peer Steinbrück klar“.

Die richtige Rezeptsammlung dafür sind aber noch etwas unklar. Klarer ist seit dem Wahlsonntag nur: Steinbrück hat sich erst einmal eine Atempause verschafft. Der Wahlausgang war für ihn eine Art Himmelsgeschenk. In Hannover wurde seine Kandidatur gerettet. Bei einem SPD-Ergebnis unter 30 Prozent wäre er wohl kaum zu halten gewesen, auch wenn die Parteioberen das Gegenteil behaupten.

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

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Bei Steinbrück dürfte die Erleichterung groß gewesen sein, dass der SPD in Hannover eine große Koalition als Juniorpartner erspart wurde. Dies hätte die Spekulationen über eine Neuauflage im Bund im Herbst befeuert und seinen eigenen Wahlkampf erheblich erschwert. Schließlich hat Steinbrück bereits klargemacht, dass er für eine solche Konstellation nicht zu haben ist.

Doch der Herausforderer weiß auch, dass er in der eigenen Partei weiter intensiv unter Beobachtung bleibt. Nach neuen Patzern dürfte die Debatte über seine Eignung schnell wieder losgehen. Zu große taktische Vorsicht bei seinen Äußerungen würde jedoch seinen Aufmerksamkeitswert deutlich mindern.

Mit seinem Auftritt am Montag hat Gabriel demonstriert, dass er im Wahlkampf entscheidende Vorgaben machen wird. Und nicht wenige raten Steinbrück inzwischen, wieder stärker auf eine Teamlösung zu setzen. Ob dafür eine Wiederbelebung der Troika oder eine Neuformation mit einer Kompetenzmannschaft mit einigen neuen Gesichtern besser geeignet ist, darüber scheint noch nicht entschieden zu sein.

dpa

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