Lebensmittel: Ruf nach mehr Infos für Kunden

Dicht an dicht: Auch auf Biohöfen haben Hühner oft nur wenig Platz. Unser Archivbild entstand in einer Bio-Anlage im thüringischen Gera. Fotos: dpa

Der Bundesverband Deutsches Ei, der Verband der Legehennen-Halter, fordert, Herkunftsnachweise nicht nur auf Eiern, sondern auch auf eihaltigen Lebensmitteln einzuführen.

Osterzeit - Eierzeit: Bunt gefärbte Eier gehören zu den Ritualen des bevorstehenden Festes. Wer sich über ihre Herkunft und die Haltungsart der Legehennen informieren möchte, hat allerdings schlechte Karten, denn die im Handel erhältlichen bunten Eier unterliegen nicht der EU-weiten strengen Kennzeichnungspflicht (siehe Hintergrund). Schützenhilfe bekommen aufmerksame Kunden jetzt von Deutschlands Legehennen-Haltern: Der Bundesverband Deutsches Ei macht sich für eine weiter reichende Kennzeichnung stark.

Der Verband reagiert nach Angaben seines Vorsitzenden Günter Scheper darauf, dass viele Verbraucher kritischer geworden seien. Er fordert daher, dass die Herkunft nicht nur wie bisher auf normalen Eiern, sondern auch auf weiterverarbeiteten, eihaltigen Lebensmitteln deutlich wird. Das betrifft zum Beispiel Nudeln, Kekse und Fertiggerichte.

Bei einer Emnid-Umfrage wünschten sich 81 Prozent der Teilnehmer eine klare Kennzeichnung auf der Verpackung von Lebensmitteln, in denen Eier verarbeitet sind. Die große Mehrheit (87 Prozent) schaut beim Kauf von frischen Schaleneiern genau auf die Packungsangaben und greift bei lose verkaufter Ware bewusst zu alternativ erzeugten Eiern aus Boden-, Freiland- oder Bio-Haltung.

Sitzstangen erhöht

Doch ob Bio, Freiland, Boden oder Käfig: Die Art der Eierproduktion ist längst ein Politikum geworden. Bodenhaltung etwa heißt nicht unbedingt, dass die Hühner sich ständig ungehindert und weiträumig auf dem Boden bewegen und aufhalten können. In ihren Ställen sind die Sitzstangen erhöht, um den Raum besser auszunutzen, der Boden dient als Scharrfläche. Das Tier ist stets im Stall. Auch der Begriff Freilandhaltung suggeriert nach Ansicht von Tierschützern oft mehr als er hält.

Nach Meinung der Verbraucherorganisation Foodwatch garantierte keine der Formen eine artgerechte Haltung von Legehennen, selbst Bio nicht. Verbraucherrechtsexpertin Luise Molling: „Hühner sind Hochleistungstiere. Es besteht immer die Gefahr, dass Profitdenken über dem Wohl der Tiere steht.“ Laut Verordnung dürfen in einem Bio-Betrieb höchstens 3000 Tiere in einen Stall. Das werde, so Molling, häufig nicht eingehalten, es seien sogar Haltungen mit 40 000 Tiere dokumentiert. Die Geflügelwirtschaft wies die Kritik energisch zurück. Die deutschen Halter produzierten „auf Basis hoher, über den europäischen Vorgaben befindlicher Standards hochwertige und gesunde Eier.“ Die Legehennenhalter seien sich „ihrer besonderen Verantwortung gegenüber dem Tier und dem Verbraucher bewusst,“ heißt es in einer Stellungnahme.

Deutlich gestiegen ist die Zahl der pro Huhn gelegten Eier: Nach Erhebungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums legte ein Tier 1950 rund 120 Eier pro Jahr, 2015 waren es 300. Die meisten Hennen (64 Prozent) leben in Bodenhaltung. (mit dpa)

Hintergrund: Stempel zeigen Herkunft der Eier

Die Kennzeichnung von Eiern ist EU-weit verbindlich geregelt. Wichtig für den Verbraucher ist die erste Zahl auf dem Stempel. Sie bedeutet:

• 0: Ökologische Erzeugung

• 1: Freilandhaltung

• 2: Bodenhaltung

• 3: Käfighaltung.

Danach folgt ein Ländercode, etwa DE für Deutschland, AT für Österreich, NL für die Niederlande. Die dann folgende lange Zahl ist die Nummer des Betriebes, aus dem das Ei kommt. Die ersten beiden Ziffern stehen dabei für das Bundesland, in dem die Firma arbeitet, etwa 06 für Hessen und 03 für Niedersachsen.

Gefärbte Eier, die zu Ostern gern gekauft werden, gelten als behandelte Eier und müssen deshalb keinen Stempel tragen. Der Verbraucher kann sich nicht über ihre Herkunft informieren.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern liegt nach Angaben des Bundesverbandes Deutsches Ei rechnerisch bei 232 (Stand 2014) - der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Im Ostermonat steigt der Verbrauch überraschenderweise statistisch nur um zwei Eier pro Kopf.

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