Schutz gegen Missbrauch: Verbände lehnen erweiterte Auskunft aus Zentralregister ab

Lehrer wollen keine Zeugnisse

E. Heister- Neumann

Hannover. Gegen die verschärften Kontrollen von Lehrern in Niedersachsen formiert sich immer mehr Widerstand. Nach dem Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhard Brandt, kritisierte auch der Deutsche Lehrerverband die Pläne von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU).

Zwar könne grundsätzlich kein angehender Pädagoge etwas dagegen haben, wenn von ihm ein erweitertes Führungszeugnis verlangt werde, sagte Lehrerverbands-Präsident Josef Kraus dem Handelsblatt Online. „Aber diese Maßnahme riecht ein wenig nach Aktionismus.“ Reaktion auf jüngste Missbrauchsfälle an Schulen. Nach den jüngsten Missbrauchsskandalen in Schulen und Jugendeinrichtungen will Heister-Neumann Schüler mit den verschärften Kontrollen besser vor Übergriffen schützen. Dazu sollen alle Bewerber für Jobs im niedersächsischen Schuldienst schnellstmöglich verpflichtet werden, ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen. In diesem sind auch geringfügigere Strafen wegen Sexualdelikten wie der Besitz von Kinderpornografie oder Misshandlungen vermerkt. Heister-Neumann geht davon aus, dass ihr Erlass bis Ende Mai umgesetzt wird. Zunächst nur Kontrolle von Neueinstellungen geplant Die 86 000 bereits eingestellten Lehrer sollen laut Heister-Neumann zunächst nicht unter die Regelung fallen. „Wir behalten uns aber ausdrücklich vor, diese anzufordern“, sagte die Ministerin Aus der Sicht von Kraus kann die Maßnahme nur für Neueinstellungen gelten. „Wichtiger erscheint es mir, dass die Verbreitung von Kinderpornografie strafrechtlich so streng behandelt wird, dass ein entsprechender Verstoß auch in einem normalen Führungszeugnis auftaucht“, betonte er.

Der GEW-Landesvorsitzende Brandt hatte davor gewarnt, Lehrer unter Generalverdacht zu stellen. Auch in anderen Branchen gebe es Vorgesetzte, die ihre Macht missbrauchten und sich an Schwächeren vergingen, sagte er. Archivfotos: dpa

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