Eltern und Wissenschafter streiten auf der Didacta über den Einsatz von Multimedia im frühen Kindesalter

Lernen mit sprechenden Stiften

Renner: Mit dem digitalen Spiel tip-toi lernen schon Kinder ab vier Jahren. Foto: dpa

Hannover. Die einen Eltern versuchen ihre Kinder möglichst lange vom Fernsehen oder Computer fernzuhalten. Andere Väter und Mütter sind stolz darauf, dass sich ihr Nachwuchs souverän durchs Handy-Menü blättert – kaum dass er laufen gelernt hat.

Wissenschaftler sind uneins darüber, wie früh die digitale Welt Einzug ins Kinderzimmer halten soll. Ein Zwiespalt, der natürlich ein Thema auf der heute zu Ende gehenden Bildungsmesse Didacta in Hannover ist.

„Computer gehören nicht ins Kinderzimmer, nicht in den Kindergarten und nicht in die Grundschule, weil sie nachgewiesenermaßen negative Auswirkungen auf die Bildung haben“, sagt der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer. Der Bildungsforscher und Didacta-Präsident, Wassilios Fthenakis, aber warnt davor, moderne Medien zu dämonisieren oder zu ignorieren. „Digitale Medien sind kein Ersatz für das Buch, aber eine Bereicherung – auch schon für unter Zehnjährige.“

Auf Europas größter Bildungsmesse Didacta dominieren an den Ständen klassische Schulbücher. Aber immer mehr Bildungs- und Spieleverlage setzen auf Multimedia für die Jüngsten.

Der Ravensburger Spieleverlag schreibt mit dem im Herbst 2010 eingeführten audiodigitalen Lernsystem tip-toi eine Erfolgsgeschichte. Zwei Millionen Produkte für Kinder ab vier Jahren wurden seither verkauft. Mit einem elektronischen Stift lassen sich Bücher und Spiele von tiptoi bedienen. Der Stift spricht mit den Kindern, macht Geräusche und stellt Aufgaben. Eltern können die Audiodateien für Bücher oder Spiele aus dem Internet herunterladen. „Die Kinder merken spielerisch, dass sie durchs Lesen zum Ziel kommen. Sie sind fasziniert, wenn der Stift sie lobt“, sagt der Spieleautor Kai Haferkamp.

Am Stand nebenan präsentiert der Braunschweiger Westermann Lernspiel Verlag seinen Klassiker LÜK. Mit den roten Lernspiel-Kästen und ihren Symbolplättchen beschäftigten sich Generationen von Kindern seit 44 Jahren. „Wir entwickeln gerade eine LÜK App für die Altersstufe Vorschule und Grundschule“, erzählt Matthias Achilles. Dies geschehe auf vielfachen Kundenwunsch.

Hauptkunden seien Eltern, die möglichst früh ihre Kinder optimal fördern wollten. Bambino LÜK richtet sich schon an Zweijährige. In Kindergärten oder Schulen fehle aber oft das Geld für den Kauf der Lernspiele.

Der Hirnforscher und Buchautor Spitzer ist vehement dagegen, Steuergelder in die digitale Infrastruktur zu stecken. Fthenakis sieht hier große Chancen: „Es ist Aufgabe der öffentlichen Hand, Bibliotheken mit digitalen Medien für Kinder auszustatten oder neue Angebote über das Netz zu machen.“ (lni)

Von Christina Sticht

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