Letten stimmen über zweite Amtssprache ab

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Lettland stimmt darüber ab, ob Russisch die zweite Amtssprache werden soll.

Riga - Zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion bewegt in Lettland eine Volksbefragung über Russisch als zweite Amtssprache die Gemüter. Die Erfolgsaussichten des Referendums sind eher gering.

Mit einer umstrittenen Volksabstimmung hat sich eine Bürgerbewegung im EU-Mitgliedsland Lettland am Samstag um die Einführung von Russisch als zweite Amtssprache neben Lettisch bemüht. Experten in der baltischen Ex-Sowjetrepublik rechneten nicht mit der benötigten Mehrheit für die Initiative. Andernfalls könnte Russisch zur 24. Amtssprache der Europäischen Union werden. Mit einem vorläufigen Ergebnis wurde in der Nacht zum Sonntag gerechnet.

Für die Verfassungsänderung wäre die Zustimmung von mindestens der Hälfte der 1,5 Millionen Stimmberechtigten nötig. Nach letzten Umfragen befürwortet aber nur rund ein Viertel der Bevölkerung das von der Bürgerbewegung Muttersprache initiierte Vorhaben.

„Derzeit wird eine sehr ernsthafte Debatte über die Grundlagen des lettischen Staates geführt. Die Wahlbeteiligung ist hoch, so dass es bei der Abstimmung ein sehr überzeugendes Ergebnis geben wird“, sagte Regierungschef Valdis Dombrovskis nach der Stimmabgabe. Bis zum späten Nachmittag hatten nach Angaben der Wahlkommission mehr als 50 Prozent der Berechtigten den Gang zur Wahlurne angetreten.

Präsident Andris Berzins stimmte nach Angaben seiner Sprecherin „für die lettische Sprache“. Dagegen hatte Rigas russischstämmiger Bürgermeister Nils Usakovs angekündigt, für Russisch zu votieren. Bei eisigen Temperaturen bildeten sich vereinzelt Schlangen vor den insgesamt 950 Wahllokalen in der Hauptstadt Riga und anderen Landesteilen, berichteten Medien. Rund ein Drittel der 2,3 Millionen Einwohner in dem Land von der Größe Bayerns ist russischer Herkunft.

Lettland ist tief gespalten in der Sprachenfrage. Gegner einer Verfassungsänderung argumentieren, dass ihnen die russische Sprache unter der 1991 zu Ende gegangenen sowjetischen Herrschaft aufgezwungen worden sei. Befürworter betonen, dass die Ablehnung des Russischen eine „Diskriminierung“ sei. Viele Letten fürchten, Moskau wolle mit Hilfe der russischen Minderheit mehr Einfluss ausüben.

dpa

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