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„Letzte Generation“: Das sind die Forderungen – „Wir sind der Überlebenswille dieser Gesellschaft“

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Von: Katja Thorwarth

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Die „Letzte Generation“ in Aktion: Aktivist:innen sehen die Regierung in der Pflicht.
Die „Letzte Generation“ in Aktion: Aktivisten sehen die Regierung in der Pflicht. © Paul Zinken/dpa

Die Klimaaktivist:innen der „Letzten Generation“ stellen in einem Brief an die Ampel-Regierung Forderungen. Und betonen ihre Gesprächsbereitschaft.

Berlin - „Die Regierung ignoriert alle Warnungen. Immer noch befeuert sie die Klimakrise und hat uns damit an den Rand eines Abgrunds gebracht ... Wir sind der Überlebenswille dieser Gesellschaft.“ Die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ wollen, wie sie auf ihrer Webseite schreiben, den gesellschaftlichen Kollaps aufhalten und sehen sich gleichsam als die „letzte Generation“, der das noch gelingen kann.

Ihre Mittel sind der zivile Ungehorsam mithilfe von Hungerstreiks, Aktionen gegen Kunstwerke in Museen oder - aktuell viel diskutiert - Straßenblockaden. Insbesondere konservative Politiker reagieren empfindlich auf die Leute, die sich bundesweit auf Straßen festkleben - unter anderem auch in Kassel. CSU-Politiker Alexander Dobrindt spricht gar davon, eine „Klima-RAF“ verhindern zu wollen, während Grünen-Parteichefin Ricarda Lang Parallelen dergestalt ablehnt. Allerdings kritisierte auch sie die Protestformen der „Letzten Generation“ als kontraproduktiv.

Klimaaktivisten der „Letzten Generation“: „Proteste stören, irritieren und zuweilen nerven sie auch“

Der Berliner Protestforscher Simon Teune hingegen kann die Aktionen der Gruppe nachvollziehen. „Nur die Störung führt dazu, dass geltende Regeln und Prioritäten infrage gestellt werden“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst, und weiter: „Proteste stören, irritieren und zuweilen nerven sie auch.“ Es gehe dabei nicht darum, „allen zu gefallen, sondern den Finger in die Wunde zu legen“.

„Dass wir uns über angeklebte Aktivisten und Aktivistinnen aufregen, aber nicht über ein kollabierendes Weltklima, ist Teil der Botschaft der ‚Letzten Generation‘“, unterstrich der Protestforscher: „Wir bekommen gerade recht deutlich gespiegelt, wo wir als Gesellschaft im Umgang mit der Klimakrise stehen.“ Die Aktivisten würden gerade dafür geprügelt, „dass wir nicht in der Lage sind, konsequent auf die Bedrohung der Klimakrise zu reagieren“. 

„Letzte Generation“: Aktivisten fordern Tempo 100 auf Autobahnen

Worum es der Gruppe geht, stellt sie transparent sowohl in den sozialen Medien, als auch auf ihrer Homepage dar. In einem Brief an die Ampelregierung kündigten sie „maximale Störung der öffentlichen Ordnung“ ab dem 10. November an, sollte der Bund in keiner Weise auf ihre Forderungen eingehen. Dabei handelt es sich um „erste Sicherheitsmaßnahmen“ wie ein „Tempolimit von 100 km/h auf deutschen Autobahnen und die Einführung eines bezahlbaren Personennahverkehrs durch ein 9-Euro-Ticket“. Was sie brauchten, sei ein „Vertrauensbeweis“, den die Regierung bislang schuldig geblieben ist.

Angesichts der Klimakatastrophe gäbe es keine Argumente gegen die sofortige Umsetzung dieser Maßnahmen. Die Klimaaktivisten betonen „disziplinierte“ Gewaltfreiheit: „Wir geben Ihnen unser Wort, dass wir alles dafür tun, dass niemand zu Schaden kommt.“ Sie betonen weiter ihre Gesprächsbereitschaft, aber auch die Wichtigkeit politischen Handelns. „Wir hoffen inständig, dass Sie sich in dieser schicksalsträchtigen Stunde für die Menschlichkeit und für das Leben entscheiden.“ (ktho)
 

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