Gaddafi wimmerte: "Nicht schießen, nicht schießen!"

Tripolis - Der Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi soll erst auf dem Weg von seiner Heimatstadt Sirte nach Misrata schwer verwundet worden sein. Die Übergangsregierung versuchte nun seine letzten Minuten zu schildern.

Lesen Sie auch:

Gaddafi ist tot - zwei Söhne sterben bei Kämpfen

Merkel: "Ein wichtiger Tag für die Lybier"

Obama: "Ende eines schmerzhaften Kapitels"

Gaddafi-Krankenschwester trauert: "Er war ein Held!"

Einen Tag nach dem Tod des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi herrscht weiter Unklarheit, wie er getötet wurde. Die Gerüchte um eine Art Hinrichtung sollen nun aber zerstreut werden. Ministerpräsident Mahmud Dschibril erklärte in der Nacht, Gaddafi sei zunächst gefangen genommen worden. Dann sei der Pritschenwagen, mit dem der gefangenen Gaddafi von Sirte in die Küstenstadt Misrata gebracht werden sollte, unter Beschuss durch Anhänger des langjährigen Diktators geraten. Dabei wurde Gaddafi nach Angaben Dschibrils schwer verletzt. Er sei kurz vor der Ankunft im Krankenhaus von Misrata an dem schweren Blutverlust gestorben, erklärte der Ministerpräsident laut einem Bericht des Senders CNN.

Ex-Diktator Gaddafi tot: Lybier feiern ihre neue Freiheit

Ex-Diktator Gaddafi tot: Libyer feiern ihre neue Freiheit 

Mehr zum Thema:

Gaddafi im Porträt: Machthaber mit Größenwahn

Libyer feiern frenetisch Gaddafis Ende

Westerwelle: Libyen vor demokratischem Wandel

Die “New York Times“ schrieb am Freitag, die offizielle Version der Regierung scheine durch die kursierenden Fotos und Videos nicht gedeckt zu werden. In einem am Donnerstag aufgetauchten verwackelten Video ist offenbar zu sehen, dass Gaddafi in seiner Geburtsstadt Sirte noch lebend in die Hand der Aufständischen fiel. In dem von Al-Arabija ausgestrahlten Video ist ein offenbar verwundeter Gaddafi zu sehen. Er wird von der Kühlerhaube eines Fahrzeugs gezogen und von Milizionären umringt, die ihn wegzerren.

Dieses Bild des angeblich toten Gaddafi zeigt der arabische Sender Al Jazeera.

Gaddafi scheint dabei noch auf eigenen Beinen zu stehen und zu wanken. Sein Hemd ist blutgetränkt. Er scheint zu sprechen und seine rechte Hand zu bewegen. Auf späteren Bildern ist Gaddafi tot mit einer Schusswunde im Kopf zu sehen. Die britische BBC berichtete, Milizionäre des Übergangsrates hätten in ersten Berichten erklärt, Gaddafi sei erschossen worden, als er zu fliehen versucht habe. Gaddafi habe noch gefleht "Nicht schießen, nicht schießen!" und Deckung in einer Betonröhre gesucht.

Terror-Akte: Gaddafis Liste des Schreckens

Terror-Akte: Gaddafis Liste des Schreckens

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine Untersuchung der Todesumstände. Die neue Regierung müsse mit der “Kultur des Missbrauchs“ unter Gaddafi vollständig brechen und Menschenrechtsreformen durchsetzen, die das Land bitter nötig habe, hieß es.

DNA-Probe analysiert

Dschibril habe weiter erklärt, Ärzte hätten DNA-Proben genommen, bevor die Leiche des Ex-Diktators zur Beerdigung freigegeben worden sei. Dabei hätten die Ärzte festgestellt, dass ein großer Teil der oft wirr vom Kopf stehenden langen Haare Gaddafi “künstliche Haare“ gewesen seien. Gaddafi, der auch gerne hohe Absätze und prunkvolle Gewänder trug, habe in Wirklichkeit eine Halbglatze gehabt.

Bestattung des Ex-Diktators

Gaddafi werde in Kürze an einem unbekannten Ort nach islamischem Ritus begraben, sagte Dschibril. Was mit seinem Körper geschehe, sei “ziemlich egal, Hauptsache, er verschwindet“. Offenkundig will der Übergangsrat damit verhindern, dass das Grab zu einem Wallfahrtsort für Gaddafi-Anhänger wird.

Libyen vor dem Neuanfang

Die Libyer nehmen ihr Schicksal jetzt selbst in die Hand. Dschibril sagte am Donnerstagabend nach Angaben des Senders Al-Dschasira, die neuen Machthaber wollten an diesem Samstag offiziell den Beginn der Übergangsphase auf dem Weg zu einem demokratischen Staat verkünden. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, wolle dies in Sirte, der Heimatstadt von Ex-Diktator Gaddafi tun.

Dann werde binnen 30 Tagen eine neue Übergangsregierung gebildet. Acht Monate später solle dann ein Nationalkongress einberufen werden, um die Weichen für einen kompletten Neuanfang zu stellen.

Dschibril erklärte, der Übergangsrat habe am Donnerstag, nachdem Gaddafi getötet worden sei, Kontakt mit dem Internationalen Strafgerichtshof aufgenommen. Das Gericht habe die Libyer gebeten, Gaddafi vorerst nicht zu begraben, damit der Leichnam untersucht werden könne. Der Übergangsrat habe jedoch anders entschieden. Allerdings hätten Ärzte Haar- und Gewebeproben von der Leiche genommen, um keine Zweifel an der Identität des Getöteten aufkommen zu lassen.

Obama und Merkel in Videokonferenz

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in einer Videokonferenz das Ende des Regimes des libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi begrüßt. An der Unterredung hätten auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premier David Cameron teilgenommen, teilte das Weiße Haus am Donnerstag mit. Alle hätten dabei übereingestimmt, dass es ein “außergewöhnlicher Tag“ für die NATO-geführte Militärallianz sei, vor allem aber für die libysche Bevölkerung.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © Al Jazeera / dapd

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.