Kommentar zu von der Leyens Doktortitel: Am Karriereknick vorbei

Nicht umsonst hat sich Kanzlerin Merkel schon vor der Verkündung des Ergebnisses der Plagiatsprüfung hinter Ursula von der Leyen gestellt. Die Verteidigungsministerin ist die eiserne Reserve der Kanzlerin, kommentiert Werner Kolhoff.

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Es gibt mehrere Punkte, die den Skandal um die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen unterscheiden von ihren Ex-Ministerkollegen Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan. Von der Leyens sehr offener Umgang mit den Vorwürfen ist der eine. Wichtiger noch ist die Tatsache, dass es sich um eine medizinische Doktorarbeit handelt. Der Theorieteil, in dem sie abgekupfert hat, macht nur ein Drittel aus. Zweidrittel der Arbeit, ihr medizinisches Experiment, ist offenbar sauber. Das hat die Universität gewürdigt.

Von der Leyen hat, das bleibt von der Affäre, unsauber gearbeitet. So wie auch sonst bei ihr manches Mal Glanz vor Substanz geht. Doch es werfe den ersten Stein, wer von sich behaupten kann, in seiner Karriere immer superkorrekt gewesen zu sein. Die CDU-Politikerin ist knapp an einem erheblichen Karriereknick vorbeigeschrammt. Sie kann nicht nur Verteidigungsministerin bleiben, sie ist weiterhin Kanzlerin-Reserve, wenn auch eine mit Kratzer. Nachdem Thomas de Maizière wegen seiner Leistungsschwäche in der Flüchtlingskrise als möglicher Nachfolger Angela Merkels ausgeschieden ist, ist sie sogar die einzige.

Vielleicht bringt der Sonntag mit Julia Klöckner noch eine Anwärterin. Die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin dürfte über das Urteil aus Hannover ebenso erleichtert sein wie die Beschuldigte.

Rubriklistenbild: © k r o h n f o t o . d e

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