Ergebnisse seien begrenzt aussagekräftig

Persönliches Wohl ausschlaggebend für Umfrage-Ergebnisse

Berlin/Mannheim. Die große Zahl der in Deutschland eintreffenden Flüchtlinge entfacht eine Debatte über Zuwanderung. ARD und ZDF versuchen die Meinung der Bevölkerung abzubilden. 

Und wie sind davon abweichende Meinungen einzuordnen?

Im ARD Deutschlandtrend und dem ZDF Politbarometer (September 2015) zeichnet sich eine positive Einstellung der Deutschen gegenüber Zuwanderern ab - und eine Tendenz zur rechtspopulistischen AfD.

• Die Mehrzahl der Deutschen (61 Prozent) sieht die Zahl der einreisenden Flüchtlinge nicht als Bedrohung an.

• 57 Prozent meinen, Deutschland könne die hohe Zahl an Flüchtlingen verkraften.

• Stünde eine Bundestagswahl bevor, käme die AfD auf fünf Prozent und hätte damit zum zweiten Mal in Folge an Wählern zugelegt.

• Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bescheinigten 73 Prozent der Befragten eine gute Arbeit, ihre Flüchtlingspolitik bejahen 50 Prozent. Auf der Liste der wichtigsten Politiker erreichte sie mit Platz vier den schlechtesten Wert in dieser Legislaturperiode.

Den Zahlen liegen Umfragen der Meinungsforschungsinstitute Infratest Dimap und der Forschungsgruppe Wahlen zugrunde. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ - haben also den Anspruch, die Grundeinstellung der Bevölkerung abzubilden.

Gerd Bosbach

Gerd Bosbach, Statistik-Professor an der FH Koblenz, hält die Ergebnisse für begrenzt aussagekräftig: „Wenn 1000 Leute befragt werden, darf nicht überschätzt werden, was eine solche Befragung leisten kann. Da schleicht sich der Zufallsfehler ein.“ Auswahl der Befragten und Wertung der Ergebnisse lägen in der Hand der Meinungsforscher. Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen räumt ein: „Zufallsstichproben haben mitunter einen statistischen Fehlerbereich von plus/minus drei Prozentpunkten.“

Es sei dennoch die beste Art der Umfrage, um ein Meinungsbild zu erstellen - Gegenprüfung inbegriffen: Parallel zur Stimmung gegenüber Flüchtlingen wurde die Regierungszufriedenheit abgefragt: Steht der Aufgeschlossenheit gegenüber Zuwanderern ein Wählerzuwachs der rechtspopulistischen Parteien entgegen? Unwahrscheinlich, meint Bosbach. „Nur etwa die Hälfte der NPD-Wähler gibt überhaupt zu, dass sie NPD wählt.“ Das wüssten die Meinungsforscher und bezögen diese Erfahrung in die Wertung ihrer Ergebnisse mit ein.

Wählerzuwachs habe verschiedene Ursachen. Wichtiger Faktor sei das persönliche wirtschaftliche und soziale Wohlergehen. „Lebe ich gut, habe einen Arbeitsplatz, bin ich zufrieden, selbst wenn es Störfaktoren gibt.“ Michael Kunert von Infratest Dimap bringt den Einfluss aktueller „Krisenbilder“ in die Umfrageergebnisse ein. „Man darf nie überschätzen, was ein Meinungsforschungsinstitut herausbekommen kann, wenn es um mehr geht als um eine klare Entscheidung“, sagt der Statistiker. Zudem sage man in Umfragen lieber etwas positiv Nettes, das von der Gesellschaft gern gehört wird - also: lieber „Ja, aber“ als „Nein“. 

Mehr zu den Umfragen auf: http://zu.hna.de/Polit und http://zu.hna.de/Deutschlandtrend

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