Mündener Ex-Heimatpfleger Brethauer organisierte Raubzüge der Nazis mit

Karl Brethauer

Hann. Münden. Die braune Vergangenheit eines ihrer geachtetsten Bürgers rüttelt die Stadt Hann. Münden auf: Dr. Karl Brethauer (1906-1992), Lehrer und mehrfach ausgezeichneter Heimatforscher, hat sich im Zweiten Weltkrieg an maßgeblicher Stelle an der Plünderung jüdischer Kulturgüter beteiligt.

„Die Erinnerung an das bisher geachtete verstorbene Mitglied hat nun mehr als einen dunklen Schatten erhalten“, sagt Wulf Richter. Die Bestürzung beim Heimat- und Geschichtsverein Sydekum in Hann. Münden ist groß.

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Dr. Karl Brethauer (1906-1992), der zu denen gehörte, die den örtlichen Heimat- und Geschichtsverein wiederbelebten, der als Lehrer am Mündener Lyzeum geachtet war und der sich als Heimatforscher einen Namen machte, war nicht nur ein kleiner Mitläufer unter den Nationalsozialisten, sondern einer, der selbst das Sagen hatte. Bürgermeister Klaus Burhenne spricht es klar aus: „Brethauer hat an einem verbrecherischen Akt teilgenommen, und zwar in einer Leitungsfunktion.“

Karl Brethauer war Chef der Hauptarbeitsgruppe des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg (ERR). In dieser Funktion ließ er systematisch jüdische, russische und freimaurerische Bibliotheken plündern.

Mehr über Karl Brethauer erfahren Sie im Regiowiki.

Keiner in der Stadtverwaltung oder im Geschichtsverein hatte auch nur die geringste Ahnung, was Brethauer zwischen 1940 und 1945 gemacht hat, betont Vereinsvorsitzender Richter. Aus den Unterlagen, die der Stadtverwaltung vorlagen, war nur vermerkt, dass Brethauer zwischen 1940 und 1948 im Kriegsdienst und in Kriegsgefangenschaft war.

Besonders heikel: Über Brethauer gibt es auch ein Kapitel im Buch „Mündener Persönlichkeiten aus sechs Jahrhunderten“, geschrieben von Heinz Hartung. Hartung war nicht nur ebenfalls Mitglied im Geschichtsverein und stritt sich gern fachlich-konstruktiv über geschichtliche Fragen mit Brethauer, er war auch jüdischer Herkunft. Seine Familie wurde im Dritten Reich verfolgt. „Heinz Hartung war sehr sensibilisiert allem gegenüber, was die Nationalsozialisten betraf“, sagt Bürgermeister Burhenne.

Der Verein, Herausgeber des Buches über die Mündener Persönlichkeiten, wird entscheiden, ob eine Neuauflage des Buches Brethauer noch berücksichtigt. Wenn ja, dann nur mit einem überarbeiteten Beitrag. Die Vereinsmitglieder wollen am 16. Februar beraten, wie sie reagieren werden. Die Stadt Hann. Münden muss jetzt ebenfalls beraten, ob sie Brethauers Auszeichnung mit dem Ehrenring der Stadt (im Jahr 1982) zurückziehen will.

Von Bettina Sangerhausen und Detlef Sieloff

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