Prozess gegen Halil D.

LKA: Bombe des Islamisten aus Oberursel hätte töten können

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Der mutmaßliche Islamist Halil D. mit Handschellen im Verhandlungssaal des Landgerichts in Frankfurt.

Frankfurt - Hat der mutmaßliche Islamist aus Oberursel einen Anschlag auf das Radrennen am 1. Mai im Taunus geplant? Jedenfalls hatte er eine tödliche Bombe im Keller, berichtet ein LKA-Experte vor Gericht.

Der Angeklagte im Prozess um ein möglicherweise geplantes Attentat auf ein Radrennen bei Frankfurt ist einem Ermittler zufolge bundesweit in der Salafisten-Szene vernetzt gewesen. Der 36-Jährige habe unter anderem Kontakte zum 2013 verbotenen Salafisten-Verein „Dawa FFM“ gehabt, sagte ein Beamter des hessischen Landeskriminalamtes (LKA) am Montag vor dem Landgericht Frankfurt. Die im Keller von Halil D. gefundene Rohrbombe hätte nach Angaben des Ermittlers in einem Umkreis von neun Metern Menschen töten können. Der Angeklagte aus Oberursel schwieg auch am zweiten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Der Szene der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam, werden in Deutschland etwa 8000 Menschen zugerechnet.

Halil D. drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis

Der Deutsche mit türkischen Wurzeln ist der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er sei „fest entschlossen“ gewesen, aus dschihadistischen Motiven mit einer Rohrbombe, Waffen und Chemikalien einen Anschlag auf eine Großveranstaltung zu verüben. Dabei soll es sich um das durch den Taunus führende Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ am 1. Mai 2015 gehandelt haben. Dieses war kurz vor dem Start aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Bei einer Verurteilung drohen Halil D. bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Dem LKA-Beamten zufolge stand der Angeklagte auch mit einer Kontaktperson der Sauerlandgruppe in Verbindung. Vier Mitglieder dieser Gruppe waren 2012 wegen der Planung von Terroranschlägen verurteilt worden. Die einsatzbereite Bombe im Keller des 36-Jährigen sei mit rund 250 Nägeln und Stahlkugeln gespickt gewesen. Auf einem Datenträger und auf Karteikarten wurden zudem Anleitungen zum Bombenbau gefunden. Auf dem Rechner von Halil D. seien ferner gewaltverherrlichende Videos gefunden worden, die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugerechnet werden könnten.

Gericht verhängt Ordnungsgeld

Der LKA-Beamte berichtete weiter, der Angeklagte habe 2008 bei einer Verkehrskontrolle gesagt, deutsche Gesetze gälten nicht für ihn, er glaube an das islamische Recht, die Scharia. Zum Prozessauftakt hatte das Gericht am Freitag ein Ordnungsgeld gegen Halil D. verhängt, weil dieser sich aus Glaubensgründen nicht vor dem Gericht erhoben hatte. Am zweiten Verhandlungstag stand er beim Eintreten des Gerichts und setzte sich später.

Der Angeklagte war ins Visier der Ermittler geraten, als er rund vier Wochen vor dem Radrennen mit seiner Frau in einem Frankfurter Baumarkt drei Liter Wasserstoffperoxid kaufte - eine mögliche Zutat für einen Sprengkörper. Dabei gab er falsche Personalien an. Die Verkäuferin alarmierte die Polizei. Das Paar gab später an, mit der Chemikalie Schimmel in der Wohnung bekämpfen zu wollen. Dafür sprechen den Ermittlern zufolge eine Sprühflasche mit der Chemikalie und ein Handy-Chat zur Schimmelbekämpfung.

Eindeutige Hinweise, dass aus dem Wasserstoffperoxid ein Explosionsmittel hergestellt werden sollte, hätten die Ermittlungen nicht ergeben. Die Observation des Mannes an der Radrennstrecke in der Nähe seiner Wohnung könne nicht „plausibel erklären, warum sich D. im Taunus aufgehalten hat“, sagte der LKA-Ermittler.

dpa

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