Sozialministerium will die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen sichern

Lockstoff für Landärzte

Für viele junge Mediziner kein Traumberuf: Noch gibt es in den ländlichen Regionen Niedersachsens laut Ministerium keinen Ärzte-Notstand. Hausärzte finden aber immer schwerer Nachfolger. Foto:  dpa

Emlichheim. Anzeigen in Ärzteblättern, Aufrufe im Internet, Mundpropaganda in Kliniken: Seit über sechs Monaten sucht der Mediziner Robert van Wermeskerken einen neuen Kollegen für seine Allgemein-Praxis in Emlichheim im Landkreis Nordhorn direkt an der holländischen Grenze. Vergeblich. Den einzig ernsthaften Interessenten zog es dann doch in die Universitätsstadt Münster.

4000 Patienten behandelt die Praxis im Quartal. „Von null bis 103 Jahren, alle Krankheiten sind vertreten“, sagt Mitinhaberin Delia Schoemaker. Sprechstunden, Hausbesuche, Notfälle, alles sei im Programm. Vier Ärzte waren es bis zum Jahresende, dann übernahm einer der Kollegen eine Praxis im benachbarten Gildehaus. „Ich finde einfach keinen Nachfolger“, stöhnt Wermeskerken. In seiner Not mobilisierte er einen pensionierten Arzt. Vier Stunden täglich springt der 69-jährige Allgemeinmediziner Jean-Francois von Royen jetzt ein.

200 000 Euro pro Jahr

Dabei sind die Bedingungen für eine Nachwuchskraft verlockend: Festanstellung mit der Aussicht auf Partnerschaft bei einem Jahreseinkommen von rund 200 000 Euro, angenehme Arbeitszeiten, erfüllter Job. Dazu bietet die Samtgemeinde Emlichheim mit ihren 14 000 Einwohnern eine gute Kinderbetreuung und sogar ein Gymnasium. „Auch unser Kulturangebot stimmt“, betont Bürgermeisterin Daniela Kösters. Die verzweifelte Arztsuche betrachtet sie mit Sorge. „Noch haben wir keine Unterversorgung.“

Diese Aussage trifft Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) auch für das ganze Land. „Die hausärztliche Versorgungssituation ist nach wie vor mindestens befriedigend.“ Damit das aber so bleibt, will das Gesundheitsressort mit diversen Maßnahmen junge Ärzte aufs Land locken. Es beginnt bereits in der Ausbildung: In einem Modellprojekt fördert das Land Medizinstudenten, die vier Monate ihres Praktischen Jahres (PJ) in einer Allgemein-Praxis verbringen, mit einem Zuschuss von insgesamt bis zu 2400 Euro. Auch der ausbildende Arzt erhält Geld in ähnlicher Größenordnung. Die 24 Plätze sind voraussichtlich ausgebucht.

Eine Million Euro nimmt Niedersachsen in die Hand, um Praxiskäufe oder Praxisneugründungen im ländlichen Raum schmackhaft zu machen. „Die Betreuung durch Hausärzte“, betont Özkan, „ist eine der wichtigen gesundheitspolitischen Herausforderungen in Niedersachsen.“

Von Peter Mlodoch

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