Vom Lohn bleibt mehr übrig

Bei den Verbrauchern steigt die Kaufkraft – doch in den Unternehmen sinkt die Stimmung

Die Arbeitnehmer in Deutschland können sich in diesem Jahr mehr leisten: Ihre Einkommen stiegen im ersten Vierteljahr 2014stärker als die Inflation. Bei den Unternehmen trübt sich die Stimmung hingegen etwas: Der wichtige ifo-Index sank im Juni unerwartet deutlich.

? Die Reallöhne sind laut Statistischem Bundesamt Destatis im ersten Quartal 2014 um 1,3 Prozent gestiegen. Was bedeutet das?

!Die Einkommen sind stärker gestiegen als die Inflation. Unterm Strich haben die Beschäftigten mehr Geld in der Tasche. Die Steigerung von 1,3 Prozent war die höchste seit fast drei Jahren.

? Sind die Löhne so stark gestiegen?

!Die Tarifrunden von 2013 und dem laufenden Jahr machen sich natürlich bemerkbar. Die Löhne stiegen im ersten Quartal insgesamt um rund 2,6 Prozent - Sonderzahlungen sind dabei mit eingerechnet. Ein weiterer wichtiger Grund für das bemerkenswert hohe Reallohnplus ist aber die niedrige Inflation in den ersten drei Monaten des Jahres.

? Auch 2013 gab es schon teils kräftige Tariferhöhungen. Warum hatten die Arbeitnehmer nichts davon?

!Die Löhne stiegen 2013 um 1,4 Prozent - und konnten damit den Preisauftrieb nicht auffangen. Unterm Strich blieb ein kleiner Reallohnverlust, der erste seit dem Krisenjahr 2009 übrigens. Der Hauptgrund für das Minus von 0,1 Prozent: Einmalzahlungen, vor allem im Dienstleistungbetrieben, waren nur mager ausgefallen.

? Wo verdienen die Beschäftigten am meisten?

!Wer Voll- oder Teilzeit arbeitete, verdiente im ersten Quartal im Durchschnitt 19,82 Euro pro Stunde brutto, ohne Sonderzahlungen. Am besten wird in Hamburg mit 22,15 Euro pro Stunde gezahlt, Hessen liegt auf Platz zwei (21,67 Euro), Niedersachsen auf Platz zehn (18,83 Euro). Deutlich schlechter wird in den neuen Bundesländern verdient. Gut zahlen Industrie und Energieversorger, schlecht das Gastgewerbe. Für die Verdiensterhebung fragt Destatis bei 40 500 Betrieben herum.

? Können die Verbraucher damit rechnen, dass es im Gesamtjahr so gut weitergeht?

!Viel spricht dafür. Die Bundesbank erwartet eine Inflationsrate von etwas über einem Prozent, während die Tarifabschlüsse in den meisten Branchen Lohnsteigerungen um die drei Prozent vorsehen. Die Verbraucher werden deshalb wohl in Kauflaune bleiben und großzügig Geld ausgegeben - zumal ein schnelles Ende der Niedrigzinsphase nicht in Sicht ist.

? Bei den Verbrauchern dürfte die Stimmung gut sein, in der Industrie sinkt sie. Warum?

!Der ifo-Geschäftsklima-Index, für den jeden Monat 7000 Unternehmen befragt werden, ist von Mai auf Juni von 110,4 auf 109,7 Punkte gefallen. Denn die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage zwar so gut wie im Mai, dämpfen aber ihre Erwartungen für die kommenden Monate. „Die deutsche Wirtschaft befürchtet mögliche Auswirkungen der Krisen in der Ukraine und im Irak“, erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn dazu.

? Wie stark wirken sich diese Krisen derzeit auf die Wirtschaft aus?

!In ihren Auftragsbüchern spüren die Unternehmen den Ukraine-Konflikt noch nicht. Vor allem Betriebe mit wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland sind aber unsicher, wie sich die Lage entwickelt. Die Irak-Krise könnte den Ölpreis hochtreiben. Wie stark sie sich auswirkt, ist aber gegenwärtig schwer zu sagen.

Von Barbara Will

Rubriklistenbild: © dpa

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