London ist die teuerste Stadt der Welt

London. Für Normalverdiener ist die britische Metropole bald unerschwinglich. Und Firmen müssen teuer bezahlen, wenn sie ihre Mitarbeiter in der Stadt unterbringen wollen. Das geht aus der aktuellen Studie eines namhaften internationalen Immobilienunternehmens hervor.

Eine marode Garage neben einem Industriegebiet im Süden Londons kam vor einigen Monaten für umgerechnet mehr als 700 000 Euro unter den Hammer. Kurz darauf kaufte ein Mann, er stammt aus Russland oder der Ukraine, darüber wird dezent geschwiegen, für knapp 171 Millionen Euro eine Penthouse-Wohnung im Edelviertel Knightsbridge mit der wohl exklusivsten Adresse der britischen Hauptstadt: One Hyde Park.

Angesichts dieser Preisrekorde kommt die neue Studie des Immobilienunternehmens Savills für Londoner kaum überraschend: Die Metropole mit ihren mehr als acht Millionen Einwohnern ist zur teuersten Stadt der Welt aufgestiegen. Die höchsten Büromieten, die hochpreisigsten Wohnungen: Unternehmen, die ihre Mitarbeiter hier ansiedeln, müssen mehr hinblättern als irgendwo sonst.

Die ehemalige Kolonie Hongkong wurde auf Rang 2 der Liste verdrängt. Die Gründe, warum London an die Spitze geklettert ist, sehen die Experten sowohl in den hohen Mieten vor allem für Büroflächen als auch im starken Pfund. Seit 2008 stiegen die Lebenshaltungs- und Wohnkosten um fast 40 Prozent.

Savills zufolge kostet es Unternehmen umgerechnet etwa 95 000 Euro pro Jahr, um einen Angestellten in London zu finanzieren. „Ich denke nicht, dass es unbedingt wünschenswert ist, die teuerste Stadt der Welt zu bewohnen, aber auf der anderen Seite wäre es wohl nicht die teuerste Stadt, wenn es nicht auch die begehrteste ist“, sagte Yolande Barnes, Forschungsdirektorin der Immobilienfirma, britischen Medien.

Doch man könne die Entwicklung von zwei Seiten betrachten: „Für Investoren bedeutet es, dass ihre Gewinne gewachsen sind“, so Barnes. Doch für Bewohner, die in der Stadt mieten wollen, werde London dadurch weniger attraktiv gegenüber anderen Städten. Für Normalverdiener wird es zunehmend schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auch wenn die britische Wirtschaft brummt, bei der Bevölkerung kommt der Aufschwung bislang nicht an.

Die Löhne halten mit den steigenden Immobilienpreisen, Energie- und Transportkosten kaum Schritt. Im Schnitt müssen Käufer für eine Immobilie rund 640 000 Euro aufbringen. Eine Wohnung kostet umgerechnet durchschnittlich 1800 Euro pro Monat und damit doppelt so viel wie im Rest des Vereinigten Königreichs, heißt es im aktuellen HomeLet Rental Index. Deshalb leben mehr und mehr Menschen in Wohngemeinschaften.

Auch Christine Haigh teilt sich mit einer Britin ein kleines Apartment im weniger angesagten Stadtteil Brixton im Süden Londons. Die 31-Jährige hat in den vergangenen sieben Jahren sechs Umzüge hinter sich gebracht, von Mal zu Mal wurde es härter, etwas zu finden – trotz Jobs bei einer Nichtregierungsorganisation. Jetzt bezahlt sie mehr als 800 Euro für ein kleines Zimmer. Eine eigene Wohnung oder gar ein Haus sind aufgrund der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt in weite Ferne gerückt. „In Großbritannien herrscht ein großes Ungleichgewicht“, sagt Haigh, die zwar gerne wegziehen würde. Die Jobs aber sind in der Hauptstadt.

Auf London und Hongkong folgen laut der Studie New York, Paris, Tokio, Singapur, Moskau und Sydney. Eine deutsche Stadt ist in dem Ranking nicht vertreten, was wiederum manchen Münchner, Hamburger, Stuttgarter oder Düsseldorfer, der sich gerade auf Wohnungssuche befindet, überraschen dürfte.

Von Katrin Pribyl

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