Interview mit ehemaligem Parteichef

Lucke sieht seine frühere Partei auf Rechtskurs

Im Juli verlor AfD-Gründer Bernd Lucke (53) den Machtkampf mit Frauke Petry und trat aus der Partei aus. Lucke sieht sich in seinen Warnungen vor einem Rechtsruck bestätigt.

Ist die AfD aus Ihrer Sicht für bürgerliche Wähler noch wählbar?

Bernd Lucke: Nein, denn leider wird sie immer fremdenfeindlicher.

Frau Petry bemüht sich noch um einen etwas gemäßigten Kurs. Entgleiten auch ihr jetzt die Zügel im Machtkampf mit Björn Höcke?

Lucke: Ich sehe keinen Machtkampf. Das ist ein Spiel mit verteilten Rollen. Höcke spricht offen das strammrechte Spektrum an, Petry versucht die letzten Bürgerlichen zu halten. Sie hat ja gesagt, dass sie sich von Höcke nur im Stil unterscheidet, aber inhaltlich fast keine Differenzen hat.

Andererseits ist Petrys Kurs laut Umfragen erfolgreich.

Lucke: Ich habe schon bei meinem Abgang davor gewarnt, dass die AfD sich zu einem deutschen Front National entwickeln könnte. Der hat in Frankreich mehr als 20 Prozent. Die Umfragen zur AfD bestätigen diese Befürchtung leider.

Wie wollen Sie denn die Zahl der Flüchtlinge begrenzen?

Lucke: Wir wollen keine fixe Zahl, sondern eine „atmende“ Obergrenze. Der Bund soll die Kosten tragen, und die Kommunen entscheiden, wie viele Menschen sie aufnehmen und integrieren können. Daraus ergibt sich eine bundesweite Obergrenze, die sich neuen Situationen flexibel anpassen kann.

Ihre neue Partei ALFA kommt nicht annähernd an die fünf Prozent heran. Woran liegt das?

Lucke: Wir bauen die Partei ja noch auf. Bekannt wird man durch Wahlkämpfe. Natürlich sind die äußeren Umstände für ALFA derzeit nicht günstig, weil Themen wie Eurokrise, Bildungspolitik, Nullzinsen oder die Gefährdung der Altersrenten kaum interessieren, solange die Flüchtlingskrise alles überlagert.

Wer Angst vor Flüchtlingen hat, wählt wohl lieber AfD als ALFA.

Lucke: Keineswegs alle. Die AfD will ja sogar auf Flüchtlinge schießen, um den Grenzübertritt zu verhindern. Das muss man sich mal vorstellen. Nein, viele Wähler wollen nicht radikal wählen und suchen eine Partei, die eine vernünftige, realistische Politik vertritt. Die nicht nur einfach willkommen heißt, sondern auch die Folgeprobleme der Integration bedenkt. Dafür gibt es ALFA. Wir werden unter keinen Umständen mit radikalen Tönen werben wie die AfD.

Bernd Lucke (53) ist beurlaubter Professor für Makroökonomie an der Uni Hamburg. Von der CDU, deren Euro-Rettungspolitik er für verfehlt hielt, wechselte Lucke zu den Freien Wählern. 2013 gründete er mit anderen die Alternative für Deutschland (AfD), trat aber nach seiner Abwahl aus dem Parteivorstand wieder aus der AfD aus und gründete die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). Lucke ist verheiratet und hat fünf Kinder. Die Familie lebt in Winsen/Luhe.

Rubriklistenbild: © dpa

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