Wie Griechenland sich zum Euro schlich

Maastricht-Vertrag: Dehnbar und löchrig

Als Maastrichter Vertrag wird das Abkommen über die Europäische Union bezeichnet, das 1992 in Maastricht (Niederlande) unterzeichnet wurde. Kernpunkt des Vertrages war die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU). Als Folge wurde am 1. Januar 2002 der Euro als Bargeld eingeführt und löste die nationalen Währungen als Zahlungsmittel ab. Drei Jahre zuvor war die Währung an den Devisenmärkten eingeführt worden.

Damit ein Land an der Währungsunion teilnehmen durfte, musste es bestimmte wirtschaftliche Anforderungen, so-genannte Konvergenzkriterien (siehe Hintergrund), erfüllen. Damit sollte die Stabilität des Euro gesichert werden, der offizielles Zahlungsmittel in 16 der 27 EU-Staaten, der so- genannten Eurozone, ist.

Schon im Konvergenzbericht des Europäischen Währungsinstitutes hieß es 1998: „Trotz der erzielten Fortschritte hat es Griechenland allerdings bislang nicht geschafft, die Preissteigerungsrate (...) und die langfristigen Zinssätze auf ein Niveau unterhalb der im Vertrag festgelegten Referenzwerte zu bringen.“ Und: „Die Schuldenquote liegt weit über dem Referenzwert von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.“

Auch die Nettoneuverschuldung lag mit vier Prozent über dem Referenzwert von drei Prozent. Griechenland erfüllte keines der Euro-Kriterien, bekam ihn aber dennoch, weil der Europäische Rat dem Land trotzdem einen „hohen Grad an nachhaltiger Konvergenz“ bescheinigte. 2004 änderte Griechenland sein Bilanzierungssystem und schuf so Spielraum, um neue Schulden anzuhäufen. Im Maastricht-Vertrag war an diesen Trick nicht gedacht worden. (jum)

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