Der Saatguthersteller aus Einbeck hat mehr Geld verdient als er selbst erwartet hatte

Mais treibt KWS-Geschäft

Sorgt für gute Geschäfte: Mais brachte dem Saatguthersteller KWS im Geschäftsjahr 2011/12 etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes ein. Gut lief es in Nordamerika. In Europa stiegen viele Landwirte auf Mais um, weil der Winterweizen das besonders kalte Wetter nicht überstanden hatte. Foto: KWS

Einbeck/Frankfurt. Beim Saatguthersteller KWS blüht das Geschäft. Zweimal hatte das Einbecker Unternehmen die Gewinnerwartungen angehoben, dann wurde es noch mehr als vorausgesagt: Die hohen Agrarpreise und das starke Maisgeschäft gaben dem Saatguthersteller Rückenwind.

Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2011/12 (30. Juni) um fast ein Sechstel auf 986,3 Millionen Euro. Unterm Strich fiel der Gewinn mit 94,4 Mio. Euro fast 30 Prozent höher aus als im Vorjahr. „Wir haben unsere Marktchancen unterschätzt“, kommentiert Finanzvorstand Hagen Duenbostel die Rekordzahlen.

Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente KWS 140,8 (Vorjahr: 116,6) Mio. Euro. Gemessen am Umsatz ist das eine Rendite von gut 14 Prozent – „unerwartet viel“, sagt Duenbostel, denn üblich sind zehn bis elf Prozent.

Gut ein Zehntel des Umsatzes steckt KWS jedes Jahr in Forschung und Entwicklung. Für die Einbecker, die sich nach dem Umsatz weltweit als Nummer vier hinter den Konkurrenten Monsanto, DuPont/Pioneer und Syngenta einordnen, ist das Laborpflänzchen von heute das Geld von morgen. Und dafür brauchen sie Zeit: „Einen Euro, der heute in Forschung und Entwicklung fließt, bekommen wir in zehn Jahren zurück“, sagt Duenbostel.

Die Nachfrage nach neuen Sorten ist groß – der Acker soll immer mehr Ertrag hergeben. Zwei bis drei Prozent mehr Ernte bringen Neuzüchtungen. Etwa jede vierte Saatsorte der Einbecker ist eine Entwicklung der vergangenen vier bis fünf Jahre. 300 neue Sorten kamen allein im vergangenen Jahr ins Programm.

Längst spielen auch Energiepflanzen eine Rolle. Neben Mais wandern Hirse, Grünschnittroggen und eine spezielle Sorte Zuckerrüben in die Biogasanlagen. Lebhaft ist das Geschäft in den USA: Dort werden staatlich verordnet und subventioniert 35 Prozent des Maisertrags zu Ethanol verarbeitet. Doch das Programm ist umstritten. Etwa 18 Prozent steuern Energiepflanzen zum KWS-Wachstum bei. Der Saatguthersteller erwartet dabei keine großen Zuwächse, nicht zuletzt wegen der Diskussion um Flächenverbrauch und Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

Auch bei Genpflanzen, die 30 Prozent am Umsatz ausmachen, erwarten die Einbecker in Deutschland keine große Bewegung. Dieser Teil des Geschäfts wird vor allem in Übersee gemacht: 85 Prozent des Maises, der in Nordamerika angebaut wird, ist gentechnisch verändert. Gleiches gilt für Zuckerrüben: KWS verkauft dort fast ausschließlich die Sorte Roundup Ready, die den gleichnamigen Unkrautvernichter aushält.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet KWS einen Umsatzanstieg um bis zu zehn Prozent und ein Ebit unter dem hohen Vorjahresniveau. 50 Millionen Euro sollen investiert werden. Von den 3851 Mitarbeitern arbeiten 1100 am Stammsitz Einbeck. Im Laufe des Jahres werden es wohl 50 mehr werden.

Von Barbara Will

KWS-Geschäft

Mais: Einen Umsatz von 571,5 Mio. Euro und ein Betriebsergebnis von 77,8 Mio. Euro brachte die größte Geschäftssparte KWS 2011/12 ein. In der Europäischen Union haben die Einbecker einen Marktanteil von 19 Prozent und sind damit die Nummer zwei nach Pioneer. Stark sind die Einbecker auch in Osteuropa. In Nordamerika hat Agreliant, ein Gemeinschaftsunternehmen von KWS und dem französischen Züchterhaus Vilmorin einen Marktanteil von sieben Prozent.

Zuckerrüben: Mit einem Umsatz von 313,4 Mio. Euro und einem Ergebnis von 79,9 Mio. Euro ist das Geschäftsfeld Zuckerrüben – ergänzt um Kartoffeln – das zweite Standbein von KWS. In der EU ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von 37 Prozent der Branchenprimus, weltweit liegt es ebenfalls an erster Stelle, dicht gefolgt vom belgischen Konkurrenten SES VanderHave.

Getreide: Das Getreidegeschäft, das in der KWS-Lochow-Gruppe zusammengefasst wird, setzte im vergangenen Geschäftsjahr 93,3 Mio. Euro um und erwirtschaftete ein Ergebnis von 18,9 Mio. Euro. Das war so viel wie nie zuvor. Etwa die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Roggen (im Bild), gefolgt von Weizen, Gerste und Raps. (wll)

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