Talk in der ARD

„Die glatteste Fehlbesetzung“: So hart wird bei Maischberger mit Nahles und Seehofer abgerechnet

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Bei Sandra Maischberger wurde über das Wahldebakel für CSU und SPD bei der Landtagswahl in Bayern diskutiert.

Das Wahldebakel der GroKo-Parteien erhitzt auch bei „Maischberger“ die Gemüter. Vor allem über die Spitzenfrauen der SPD wird heftig hergezogen.

München - Jeweils zehn Prozent Verlust schockten bei der Landtagswahl in Bayern sowohl die CSU als auch die SPD. Die CSU verlor ihre absolute Mehrheit und ist erstmal wieder auf einen Koalitionspartner angewiesen. Mit nur 9,7 Prozent rutschte die SPD sogar in den einstelligen Bereich ab und blieb hinter den Grünen, den Freien Wählern und der AfD zurück.

Die desaströsen Wahlergebnisse waren auch ein Thema bei der ARD-Talkshow „Maischberger“. Neben den Gründen für die Abstürze von CSU und SPD wurde debattiert, ob beide Parteien noch als Volksparteien bezeichnet werden können. Sandra Maischberger diskutierte am Mittwoch mit der Sportmoderatorin Jessica Libbertz, dem Kabarettisten Florian Schroeder, dem langjährigen SPD-Politiker Rudolf Dreßler, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor, dem ehemaligen Chefredakteur des BR Sigmund Gottlied und dem Spiegel-Journalisten Markus Feldenkirchen über das Thema.

„Für wie bescheuert muss man den Wähler halten“: SPD wird bei Maischberger scharf kritisiert

Vor allem die Niederlage der SPD bei der Landtagswahl erhitzte die Gemüter. Der Sozialpolitiker Rudolf Dreßler, der seit 50 Jahren Mitglied der SPD ist, fand deutliche Worte. Die SPD habe in vielen Wahlkreisen um die Fünf-Prozent-Hürde kämpfen müssen, die Parteiführung habe dies jedoch nicht deutlich genug erkannt. Stattdessen sei die Schuld anderen zugeschoben worden. „Die schlimmste Erklärung der SPD am Sonntagabend war: ,Der Streit zwischen CDU und CSU hat unser Wahlergebnis ausgemacht“, sagte Dreßler. Der erfahrene Politiker tobte. „Für wie bescheuert muss man den Wähler halten, ihm so einen Unfug vorzulegen!“

Gottlieb kritisierte die SPD für ihr schwaches Wahlkampfkonzept und bezeichnete Spitzenkandidatin Natascha Kohnen als „extrem schwache Kandidatin“. Aber auch die Bundespartei bekam ihr Fett weg. „Frau Nahles ist für mich die glatteste Fehlbesetzung der SPD seit vielen Jahrzehnten“, meinte Gottlieb. Das große Problem der SPD sei zudem, dass Angela Merkel die Bundespolitik „sozialdemokratisiert“ habe und so der SPD „die Luft zum Atmen genommen“.

Die Runde war sich einig, dass nur eine radikale Veränderung der SPD zu besseren Umfragewerten und Wahlergebnissen führen kann. Kabarettist Schroeder erklärte, ein Austritt aus der Großen Koalition könne helfen: „Sonst geht diese Partei komplett unter“. Auch Feldenkirchen pflichtete bei.

Maischberger in der ARD: Ist Horst Seehofer das Problem der CSU?

Bei der Frage, ob nach dem Wahl-Flop der CSU ein Rücktritt von Bundesinnenminister und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer nötig ist, sind sich die Talkgäste uneins. „Horst Seehofer fährt nach meinem Eindruck einen Egotrip und geht nicht, ehe er es nicht schafft, Angela Merkel mit in die Tiefe zu reißen. Das ist sein einziges Ziel“, mutmaßte Schroeder. Die Rufe nach seinem Rücktritt wolle Seehofer auch gar nicht hören. „Er lebt in seiner eigenen Welt“.

CDU-Mann Amthor verteidigte hingegen Seehofers Verhalten nach der Landtagswahl. Er habe gut auf das schlechte Wahlergebnis reagiert. Anstatt sofort personelle Entscheidungen zu treffen, „muss man jetzt erstmal den Fokus auf die Regierungsbildung setzen“. Dafür bleibt nach dem bayerischen Gesetz 30 Tage Zeit. 

Auch Feldenkirchen verteidigte Seehofer - bis zu einem gewissen Grad. Seehofer sei nicht immer „die Witzfigur gewesen, die er jetzt geworden ist“ - er habe auch einiges geleistet. Dennoch wäre es laut Feldenkirchen besser gewesen, wenn Seehofer schon vor zwei Jahren zurückgetreten wäre: „Jetzt ist sichtbar, dass er nicht loslassen kann, nicht loslassen will“.

Maischberger fragt: Sind CDU und SPD noch Volksparteien?

Die derzeitige Situation von CDU und SPD vergleicht der Journalist mit dem Niedergang der einstmals beliebten Samstagabend-Show „Wetten, dass...?“. Die Interessen werden spezieller und die Auswahl an Parteien größer. „Ein Produkt kann nicht mehr alle ansprechen“, sagt er. Dreßler findet deutlichere Worte: „Die SPD ist keine Volkspartei mehr“. Das zeigen seiner Meinung nach deutlich die Wahlergebnisse in Bayern und Sachsen und Umfragewerte von derzeit 16 Prozent auf Bundesebene.

Bleibt die Frage, wie die beiden Parteien bei der Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober abschneiden werden. Laut aktuellen Umfragewerten liegt die CDU in Hessen nur noch bei 26, die SPD nur bei 20 Prozent. Zumindest der Amthor sieht der Wahl gelassen entgegen: „In Hessen ist die Stimmung anders als in Bayern“.

mol

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