Dressurnummern sind seit langem umstritten, Verbotsvorstöße scheiterten durchweg

Manege frei für Wildtiere: Kulturgut oder Qual?

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Elefantendressur: Wie hier beim Zirkusfestival in Monte Carlo müssen die Dickhäuter Kunststücke in der Manege zeigen. Kinderherzen schlagen höher, Tierschützer sind alarmiert.

Sie zeigen Kunststückchen in der Manege, bringen Kinder zum Lachen und Erwachsene zum Staunen: Großtiere im Zirkus. Die Vorführungen sind umstritten, Tierschützer fordern ein Verbot. Wenn es so käme, wäre das das Ende vieler Zirkusse, meinen Befürworter der Dressuren.

Das Leben von Tyke endete im Kugelhagel. 86 Schüsse gaben Polizisten auf Hawaii auf den afrikanischen Elefanten ab. Zuvor war das tonnenschwere Tier in einer Zirkusmanege durchgedreht, hatte seinen Trainer getötet und war vor den Augen des entsetzten Publikums geflohen. Dieser Fall ist 20 Jahre alt, aber noch heute ein Schlüsselereignis in der Debatte um das Für und Wider von Wildtieren in Zirkussen.

Auch wenn der tragische Fall von Tyke die absolute Ausnahme war, sind Vorführungen mit Elefanten, Tigern oder Löwen äußerst umstritten. Für die einen sind sie Kulturgut, für andere schlicht Tierquälerei. Wenn Zirkusse heute ihre Zelte aufschlagen, kommen nicht nur Kinder mit gespannter Vorfreude, sondern auch Tierschützer mit Protestplakaten.

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Die Organisationen verlangen seit langem - vergeblich - ein Verbot von Aufführungen mit Wildtieren. Nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes ist eine verantwortbare Haltung von Wildtieren in Zirkussen grundsätzlich nicht möglich. Die Tiere litten darunter, dass sie durchschnittlich 50-mal im Jahr den Auftrittsort wechseln und die meiste Zeit in kleinen Käfigen oder unzureichenden Gehegen verbringen müssten. Zudem seien artspezifische Verhaltensweisen wie Sozialkontakte oder auch ausreichende Bewegung deutlich eingeschränkt. Die Folgen seien, so meint der Tierschutzbund, Gesundheitsschäden, Verhaltensstörungen und eine erhöhte Sterblichkeit.

Auch die Bundestierärztekammer forderte bereits vor vier Jahren ein Wildtierverbot in reisenden Zirkussen. Elefanten, die längere Zeit angebunden seien, entwickelten Studien zufolge stereotype Verhaltensweisen. Bei Großkatzen sei hingegen keine erhöhte Stressbelastung feststellbar gewesen.

Während es in Nachbarländern wie Dänemark, Belgien und Österreich Zirkussen untersagt ist, Wildtiere vorzuführen, ist eine entsprechende Regelung in Deutschland in weiter Ferne. Der Bundesrat wollte bereits im Jahr 2011 Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde aus den Manegen verbannen, ist mit einem entsprechenden Vorstoß aber gescheitert. Seine Forderung ist für die Bundesregierung nicht bindend.

Im Jahr 2013 wurde ein Passus in das Tierschutzgesetz eingefügt, nach dem eingegriffen werden muss, wenn „Haltung und Transport nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden“ möglich seien. Für den Tierschutzbund ist das ein Rückschritt gegenüber der bis dahin geltenden Regel, nach der ein Tier „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht“ werden muss. Die Bundesregierung sagte, es werde weiter ein „mögliches Verbot bestimmter Wildtierarten“ geprüft. Taten folgten bislang nicht.

Von Peter Klebe

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