Margot Honecker im TV: Die DDR war paradiesisch

Margot Honecker

Seit mehr als 20 Jahren lebt die Witwe von DDR-Staats- und SED-Parteichef Erich Honecker im Exil in Chile. Westliche Medien hielt sich die Polit-Seniorin stets vom Hals. Jetzt verteidigt die einst mächtigste Frau der DDR ihre untergegangene Welt in einem NDR-Dokumentarfilm.

Er wird heute Abend ab 21 Uhr im „Ersten“ ausgestrahlt. Für den Film hat Margot Honecker nach NDR-Angaben erstmals in diesen 20 Jahren ein TV-Interview gegeben. Kritische Einsichten sind allerdings nicht zu erwarten, schon gar keine selbstkritischen. Rund 26 Jahre war Margot Honecker Chefin des Volksbildungsministeriums im Arbeiter-und-Bauern-Staat, von 1963 bis zu ihrem Rücktritt im Herbst 1989. Vielen galt die First Lady der DDR mit dem Blaustich im Haar als heimliche Machthaberin.

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Die DDR, das war und ist für sie schlicht das bessere System. Seit 1992 wohnt Margot Honecker in der chilenischen Hauptstadt Santiago, in der Nähe von Tochter und Enkeln. Am 17. April wird die schmale Frau 85 Jahre alt. Ihr Mann Erich lebte nur noch kurz bei ihr. Er starb 1994. Er hatte Anfang 1993 Deutschland verlassen. Zuvor war ein Prozess wegen der Todesschüsse an der Mauer gegen den schwer krebskranken Spitzenfunktionär eingestellt worden.

Die gelernte Telefonistin Margot Honecker hatte in der DDR schnell Karriere gemacht. Mit 22 Jahren war sie die jüngste Abgeordnete in der Volkskammer, dem DDR-Parlament. Heute sagt sie, die DDR-Schule habe das humanistische Menschheitsideal vermittelt. Unabhängig von sozialer Herkunft oder wirtschaftlicher Lage der Eltern – alle Kinder hätten die gleiche Bildung bekommen. Indoktrination? Nein, das war Volksbildung. Militarisierung? Musste sein wegen der aggressiven Nato. Zwangsadoptionen? Die armen Kinder waren doch von ihren Eltern verlassen worden. Margot Honecker hält sich mit langen Spaziergängen fit. In ihrem jüngst vorgelegten Buch „Zur Volksbildung“ empfiehlt sie, die DDR-Erfahrungen für kommende Kämpfe aufzubewahren. (dpa/tpa)

Sendetermin: Montag, 2. April, 21.00 Uhr, Das Erste.

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