Draghis historischer Beschluss: Auf dem Weg in die Schuldenunion

+

Mario Draghis Geldpolitik nützt wesentlich seinem Heimatland Italien wie auch den anderen südeuropäischen Schuldenstaaten. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Die Europäische Zentralbank handelt eindeutig und absichtsvoll im Interesse von deren Banken und Unternehmen, auch zu Gunsten ihrer reformunfähigen oder -unwilligen Regierungen.

Der EZB-Chef kann sich darauf berufen, dass er nur tut, was er soll: für Preisstabilität im Euroraum sorgen. Das heißt aktuell, auf eine etwas höhere Teuerung hinzuwirken, auch wenn das Deutschlands Sparer noch schwerer als ohnehin schon unter Druck setzt, auch wenn es Aktien- und Immobilienblasen heraufbeschwört und schwere politische Folgen haben kann.

Das Problem der Eurozone heißt aber nicht Mario Draghi. Es ist die Euro-Konstruktion selbst. Sie führt den EZB-Chef in jenes Dilemma, in dem er, wenn er seinen Auftrag erfüllt, zugleich ein striktes Verbot verletzt: Staatsfinanzierung mit der Notenpresse.

Mehr noch: Nach der legendären Ankündigung Draghis im Juli 2012, er werde alles zur Rettung der Eurozone tun („whatever it takes“), markiert seine gestrige Ankündigung, 20 Prozent der Staatsanleihenkäufe in gemeinschaftlicher Haftung vorzunehmen, den nächsten denkwürdigen Wegpunkt der Eurokrise.

Seit gestern also haben wir Eurobonds, ist die Eurozone offiziell auch Schuldengemeinschaft, hat der EZB-Rat ganz demokratisch beschlossen, dass auch Deutschland das Risiko zu tragen hat, wenn eine Euro-Regierung meint, es sei besser, auf Kosten anderer zu leben, als im eigenen Land für Wettbewerbsfähigkeit zu sorgen. Ein Offenbarungseid.

Lesen Sie dazu auch:

- EZB mit Billionenprogramm gegen die Krise

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.