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Berichte: Russland behandelt Frauen in Gefangenschaft „nicht wie Menschen“

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Von: Karolin Schäfer

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Neben Soldaten werden im Ukraine-Krieg auch Zivilisten gefangenen genommen. Jetzt sprechen ukrainische Frauen über ihre Zeit in russischer Gefangenschaft.

Kiew – Nach mehr als acht Monaten fordert der zum Krieg ausgeweitete Ukraine-Konflikt weiterhin Opfer, bringt Leid und Zerstörung. Ein Ende der russischen Invasion scheint vorerst nicht in Sicht. Neben der kritischen Infrastruktur geriet besonders die zivile Bevölkerung in die Schusslinie. So verloren zahlreiche Menschen bei russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ihr Leben.

Auch in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine herrscht Chaos. Ukrainische Bürgerinnen und Bürger litten unter Gefangenschaft und mangelnder Versorgung. Unter ihnen war Inga Chikinda, eine in Litauen geborene Marinesoldatin, die im Rahmen eines Gefangenenaustauschs am 17. Oktober freigelassen wurde.

News zum Ukraine-Krieg: „Es gab Zeiten, in denen wir gehungert haben“

„Es gab Zeiten, in denen wir gehungert haben“, erzählte Chikinda gegenüber dem Nachrichtenportal Al Jazeera. „Wir wurden nicht wie Menschen behandelt.“ Während ihrer Zeit im Gefängnis habe sie rund acht Kilogramm an Gewicht verloren. Der Kontakt zu Verwandten oder ukrainischen Beamten sei ihr verwehrt worden.

Ähnlich erging es Tetiana Vasylchenko. Die Sanitäterin wurde in der südlichen und einst hart umkämpften Stadt Mariupol gefangen genommen. „Wir befanden uns in einem Informationsvakuum“, sagte Vasylchenko bei einer Pressekonferenz in Kiew. Auch medizinische Grundversorgung sei verweigert worden. Die Versuche der russischen Aggressoren, die Moral der Frauen kleinzuhalten, sei aber gescheitert. In einer winzigen Zelle hätten zahlreiche Frauen die ukrainische Hymne geflüstert. „Das war unglaublich“, so Vasylchenko. „Alle Zweifel verschwanden.“

Ukraine-Krieg: Kriegsgefangene riechen nach „Angst und Verzweiflung“

Wer frei kommt, scheint aber noch lange nicht die Spuren der Gefangenschaft überwunden zu haben. Entlassene Kriegsgefangene wirkten gebrochen, erzählte Wolodymyr Petuchow, ein Militärbeamter, der den Austausch von Soldaten organisierte, gegenüber Al Jazeera. „Als die Menschen aus dem Bus stiegen, roch es nach Angst und Verzweiflung“, so Petuchow. „Sie gehen anders, sie sprechen anders, sie sehen anders aus.“

Ukrainische Soldat:innen in der Nähe von Bachmut, Region Donezk, Ukraine. (Archivbild)
Ukrainische Soldaten in der Nähe von Bachmut, Region Donezk, Ukraine. (Archivbild) © Libkos/dpa

Doch nicht erst seit dem 24. Februar 2022 wurden Menschen verhaftet. Nach der Annexion der Krim 2014 und dem bewaffneten Konflikt in den separatistischen „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk wurden immer wieder Foltervorwürfe bekannt, um Geständnisse zu erpressen. Im Fokus stand unter anderem eine ehemalige Kulturfabrik in Donezk, die von prorussischen Separatisten, zu einem Gefängnis umgebaut wurde. (kas)

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