Maschseemord

Maschseemord und ungelöste Fälle belasten Polizei Hannover

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Ermittlungen nach dem Maschseemord.

Hannover. Der Fall der im Maschsee entdeckten zerstückelten Frauenleiche machte bundesweit Schlagzeilen. Die Polizei in Hannover beschäftigen derzeit noch weitere Kapitalverbrechen. Anfang des Jahres waren sogar parallel sechs Mordkommissionen aktiv.

Diesen Winter werden die Beamten des Fachkommissariats für Tötungsdelikte in Hannover nicht so schnell vergessen. Seit am 31. Oktober eine zerstückelte Frauenleiche im Maschsee entdeckt wurde, beschäftigt der abscheuliche Fall dutzende Ermittler. Inzwischen sitzt der mutmaßliche Mörder einer drogensüchtigen Prostituierten in Untersuchungshaft - der 24 Jahre alte Alexander K. soll gemeinsam mit einer Freundin die Leiche der 44-Jährigen zerteilt haben. Allein in seiner Wohnung wurden weit über 1000 Spuren gesichert, noch immer sind nicht alle ausgewertet.

Daneben halten weitere Kapitalverbrechen die Ermittler in der Landeshauptstadt in Atem: Kurz vor der Anklage steht der Raubmord an einer 76-Jährigen Ende September. Als mutmaßlichen Täter überführte die Polizei einen Nachbarn, der bereits wegen Mordes im Gefängnis saß. Am 4. Januar wurde eine 80 Jahre alte Rentnerin erschlagen. Nur wenige Tage später entdeckten Beamten einen 54-Jährigen, der in seiner Wohnung erstochen worden war - nach Medienberichten mit einem Säbel. Während im Fall der Seniorin ein Tatverdächtiger gefasst wurde, tappt die Polizei beim „Säbelmord“ noch völlig im Dunkeln.

Steigt die Mordrate in Hannover? „Es ist ein Zufall, dass die Fälle zeitlich so eng zusammenkommen“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Irene Silinger. Insgesamt konnte die Polizeidirektion Hannover für 2012 sogar einen Rückgang bei den Tötungsdelikten verzeichnen. 2011 wurden in Stadt und Region acht Menschen getötet, im vergangenen Jahr waren es vier. Im Jahr 2005 hatte es noch 21 Mord- und Totschlagsfälle gegeben. Die Zahl der versuchten Taten sank von 34 vor zwei Jahren auf 23 im Jahr 2012.

Hannovers Polizeipräsident Axel Brockmann betonte bei der Vorstellung der Kriminalstatistik vor kurzem dennoch die aktuell hohe Belastung der Kripo. „Im Moment laufen parallel Ermittlungen in insgesamt sechs Mordkommissionen“, sagte er. Aus anderen Abteilungen wurden rund 20 Kollegen abgezogen, um die Fachleute zu unterstützen. Ungelöst ist der gewaltsame Tod der 20 Jahre alten Studentin Annika B. am ersten Adventssonntag 2011 sowie der Mord an der drogenabhängigen Monika P. Anfang 2010. Die Leiche der 24-Jährigen wurde zerstückelt in der Ihme in der Nähe des Maschsees gefunden.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Maschseemörders wurde spekuliert, ob der Mord an Monika P. auch auf sein Konto gehen könnte. Alexander K. hatte Anfang Januar 2010 ein Video ins Internet gestellt, in dem er von der Vergewaltigung und dem Mord an einer jungen Frau rappt. Rasch wurden Gerüchte über einen neuen Serientäter in der Stadt laut, in der einst Jungenmörder Fritz Haarmann mit dem Hackebeil sein Unwesen trieb.

Bislang gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte dafür, dass der 24-Jährige bereits 2010 die drogenabhängige Monika P. getötet haben könnte. Die Spurenauswertung sei aber noch nicht abgeschlossen, betonte Silinger.

Niedersachsens zweitgrößte Stadt Braunschweig zählte im vergangenen Jahr einen Mord sowie vier versuchte Tötungsdelikte. Die Stadt Bremen - von der Größe vergleichbar mit Hannover - registrierte in 2011 und 2012 jeweils fünf Fälle von Mord und Totschlag. Auch die versuchten Taten blieben weitgehend gleich: 16 Fälle waren es im vergangenen Jahr, einer weniger als 2011.

Betrachtet man die Statistik des Bundeskriminalamtes, war Wiesbaden 2011 die Stadt mit den meisten Tötungsdelikten gemessen an der Einwohnerzahl (5 Fälle insgesamt, 1,8 pro 100 000 Einwohner). Unter den Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern gab es nur in Münster und Lübeck überhaupt kein Opfer von Mord und Totschlag. (dpa)

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