Braukonzerne sprachen offenbar über mehr als ein Jahrzehnt Preise ab – Kontakt mit kleinen Herstellern?

Mit Mauschelei zum teuren Bier

Der Biermarkt ist hart umkämpft. Offenbar pflegten einige Großbrauereien mit illegalen Absprachen die Preise. Das Kartellamt ermittelt. Foto: dpa

Kassel / Göttingen. Die großen Brauereien in Deutschland haben möglicherweise fast zwei Jahrzehnte die Bierpreise künstlich hoch gehalten. Das Bundeskartellamt ermittelt gegen elf Bierriesen, darunter Veltins, Krombacher und Bitburger, wegen des Verdachts, 2006 und 2008 illegal die Preise abgesprochen zu haben. Doch die Mauscheleien dieser Jahre stellten mit hoher Wahrscheinlichkeit „nur die Spitze des Eisbergs dar“, zitiert das Magazin Focus aus dem Abschlussbericht der Wettbewerbshüter.

Danach stimmten sich die Großbrauereien bei Treffen zu unverfänglichen Themen wie Fasspfand oder Verpackung auch gleich über die Preise ab, so Focus. Danach hätten die Konzerne ihre Pläne an kleinere und mittelgroße Bierbrauer weitergegeben. Die Folge seien oft flächendeckende Preiserhöhungen gewesen.

Dass das Telefon auch bei Brauereien der Region geklingelt hat, ist unwahrscheinlich. „Wir sind nicht Gegenstand von Ermittlungen“, sagt etwa Ingo Schrader, Marketing-Chef der Einbecker Brauhaus AG. Der Anruf wäre wohl auch überflüssig gewesen: Die großen Bierproduzenten kündigen Preiserhöhungen im voraus in der Branche an, die mittelständischen Brauer schließen sich an. „Im Grunde springen wir hinten auf den Zug auf“, sagt Schrader. Frank Bettenhäuser, Chef der Hütt-Brauerei in Baunatal, hält es

ebenfalls für wenig wahrscheinlich, dass Bierkonzerne ein Herz für die regionale Konkurrenz haben: „Es herrscht ein absoluter Verdrängungswettbewerb.“

Dieser hat nicht zuletzt dafür gesorgt, dass die Preise in den vergangenen Jahren praktisch auf der Stelle traten. So kostete 1989 eine Kiste Pils 19,98 Mark – heute werden die wegen der TV-Werbung so genannten Fernsehbiere regelmäßig in Sonderaktionen losgeschlagen: Etwa einmal pro Monat gibt es den Kasten für eine Woche für 9,99 Euro, die fast exakt dem Preis von damals entsprechen. Inzwischen werden hierzulande 70 Prozent der deutschen Bierproduktion so verkauft.

Gleichzeitig sinkt der Bierabsatz seit Jahren. Trotz steigender Kosten belauern sich deshalb die Brauereien bei der Preisgestaltung gegenseitig: „Wenn ein Einzelner erhöht, wird er in der Regel abgestraft“, sagt Schrader. Denn viele Kunden seien nicht mehr ihrer Marke treu, sondern schauten nur auf den Preis.

Für dieses Jahr haben die Branchengrößen Bitburger, Krombacher und die Radeberger Gruppe Preiserhöhungen angekündigt. Auch die Einbecker zogen mit und verlangen seit Anfang des Monats August für den Kasten 50 Cent bis einen Euro mehr. Laut Ingo Schrader ist es die erste Preiserhöhung seit 2008. Frank Bettenhäuser denkt noch über eine Preisanhebung nach, doch „über kurz oder lang müssen wir diesen Weg gehen.“ KOMMENTAR

Von Barbara Will

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