Ministerpräsident verschickt vorgefertigtes Interview

Posse in Niedersachsen: McAllister befragte sich selbst

Muss derzeit viel Kritik und Häme einstecken: Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU). Foto: dp a

Hannover. Es sollte ein verlockendes Angebot sein – doch nun muss Niedersachsens CDU viel Kritik und Häme einstecken. Die Parteizentrale verschickte ein selbstgeführtes, fertiges Interview mit Landeschef und Ministerpräsident David McAllister am vergangenen Freitag an etliche Anzeigenblätter.

Natürlich kostenlos und mit einer Foto-Auswahl – „um Ihre redaktionelle Arbeit zu unterstützen“, wie es im Anschreiben an die Gratismagazine hieß.

Kritische Fragen gibt es in dem Interview nicht. Stattdessen darf der Ministerpräsident seiner Heimat huldigen („Man kann dort prima leben und auftanken“), seine Arbeit für das Land loben („Die Menschen haben großes Vertrauen in die Lösungskompetenz der CDU“) und seine angebliche Durchsetzungskraft in Berlin preisen („Ich bin dort total präsent und hellwach“). Journalisten erfahren zudem, dass McAllister gerne weitere fünf Jahre Regierungschef in Niedersachsen wäre.

Zudem wird daran erinnert, dass der Politiker in seinem Wahlkreis mit fast hundert Prozent zum Landtagskandidaten gewählt wurde. „Wie machen Sie das?“, fragt die eigene Partei als Fragesteller unterwürfig.

Prompt sprach der Deutsche Journalistenverband (DJV) von einem „plumpen Versuch, die Anzeigenblätter in den CDU-Wahlkampf einzuspannen“. Der Union ist das Ganze inzwischen höchst peinlich. Der Internet-Link zum Interview ist verschwunden. Parteisprecher Torben Stephan nahm die Schuld auf sich. Er allein habe die Idee gehabt, der Regierungschef habe davon nichts gewusst.

Stephan entschuldigte sich beim Vorsitzenden des DJV Michael Konken für das Vorgehen. „Es war keine böse Absicht“, sagte Stephan auf Anfrage. Eine Freigabe des Interviews durch McAllister sei nie erfolgt.

Äußerst glaubhaft, spottete die SPD: McAllisters Motto laute mal wieder „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“ Wenn es schlecht läuft, greife Herr McAllister zudem immer auf das gleiche Schema zurück: „Schuld ist immer der Pressesprecher“, heißt es in einer Mitteilung der Partei. (ymp/dpa)

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