Brief des Ministerpräsidenten an Bundesumweltminister dominiert Debatte über Castor

McAllister schwenkt um

Schrieb an Bundesumweltminister Röttgen: Ministerpräsident David McAllister. Foto:  dpa

Hannover. Greenpeace und SPD feiern es bereits als das faktische Aus von Gorleben. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat sich in einem Brief an Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) für die rückholbare Lagerung von Atommüll ausgesprochen.

Diese Form wäre in Salzstöcken wie im Wendland wegen des geologischen Zusammenwachsens der Gesteinsschichten nahezu ausgeschlossen. McAllister betonte jedoch erneut, dass Gorleben „ergebnisoffen zu Ende erkundet“ werden müsse.

Zufall oder nicht? Kurz vor der Landtagsdebatte über die bevorstehenden Castor-Transporte und die erhöhten Strahlenwerte im Zwischenlager Gorleben wurde gestern das Schreiben vom 11. August aus Hannover nach Berlin bekannt. Darin bittet McAllister den „lieben Norbert“, im Rahmen des geplanten Endlagergesetzes zunächst zu klären, „ob das bisherige Konzept, das eine nicht-rückholbare untertägige Endlagerung vorsieht, noch den gesellschaftlichen wie auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügt“. Ausdrücklich verweist der Ministerpräsident auf die Erfahrungen mit dem maroden Atommüll-Endlager Asse.

„Gorleben ist damit faktisch tot“, lobte SPD-Fraktionsvize Detlef Tanke. Endlich löse sich McAllister von der starrköpfigen Festlegung der CDU auf Gorleben, bedankte sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Skeptischer äußerten sich Grüne und Linke sowie die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. Es sei der billige Versuch, „Politik durch PR zu ersetzen“, schimpfte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel.

Erhöhte Strahlenwerte

McAllister selbst schränkte am Rande des Landtags die Intention seines Schreibens ein wenig ein. Natürlich bleibe es dabei, dass man den Salzstock in Gorleben ergebnisoffen zu Ende erkunden müsse. Parallel dazu müsse man sich über Alternativen Gedanken machen, und dazu gehöre auch und gerade das Kriterium der Rückholbarkeit. In dem Wirbel um den Brief rückte der eigentliche Anlass der Debatte etwas in den Hintergrund. SPD, Grüne und Linke forderten angesichts der erhöhten Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben, den für Ende November vorgesehenen Castor-Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague sofort abzusagen.

„Wenn schon bei den bisher eingelagerten 102 Castoren der zulässige Grenzwert überschritten wird, können wir doch jetzt nicht noch mehr Behälter einrollen lassen“, warnte der SPD-Abgeordnete Marcus Bosse. Mit „Hütchenspielen“, dem Umstellen der Atommüll-Behälter in der Halle, löse man das Problem nicht, erklärte Kurt Herzog von den Linken. Grünen-Kollegin Miriam Staudte verwies auf den dramatischen Rückgang von Geburten, insbesondere von Mädchen, im Wendland, seit dort die ersten Castor-Fuhren eingefahren seien.

Geburtenrückgang

Innenminister Uwe Schünemann (CDU) erklärte, dass bei keinem der beim letzten Transport eingesetzten Polizeibeamten eine erhöhte Strahlendosis gemessen worden sei. Umweltressortchef Hans-Heinrich Sander (FDP) versicherte, dass das Land keine Einlagerungsgenehmigung erteile, wenn der zulässige Jahresmittelwert bei der Strahlenbelastung nicht eingehalten werde.

Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) erarbeitet derzeit Maßnahmen, um die Dosiswerte an den Zäunen des Zwischenlagers abzusenken.

Von Peter Mlodoch

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.