„Medienkompetenz als Schulfach halte ich für sehr wichtig“

Interview zu Vor- und Nachteilen von Facebook: "Medienkompetenz ist wichtig"

Kassel. Seit zehn Jahren ist Facebook für viele Menschen ein täglicher Begleiter. Mehr als 757 Millionen Menschen nutzen Facebook täglich. Wir sprachen mit Prof. Dr. Klaus David von der Universität Kassel darüber, wie Facebook unser Leben verändert hat.

Herr David, zehn Jahre gibt es Facebook nun schon. Ist das soziale Netzwerk eine Bereicherung für unser Leben? 

Prof. Dr. Klaus David: Für die Nutzer ist es auf jeden Fall eine Bereicherung. Facebook ermöglicht auf einfache Weise in einer Gruppe - auch wenn man räumlich getrennt ist - in Kontakt zu bleiben.

Wie hat Facebook die Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren verändert? 

David: Der Austausch von Informationen und Bildern ist heute sehr einfach, auf „klick“ möglich. Viele Menschen sind zudem bereit, sehr viel mehr persönliche Informationen, etwa die Vorlieben für bestimmte Produkte und auch persönliche Informationen, im Netz zu verbreiten, als jemals zuvor.

Überwiegend junge Menschen sind bei Facebook aktiv. Brauchen wir dann nicht auch ein Schulfach, dass den Umgang mit sozialen Netzwerken lehrt? 

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David: Ein Schulfach oder einen Schwerpunkt in vorhandenen Fächern, der eine gute Medienkompetenz vermittelt, halte ich im Zeitalter der Informationsgesellschaft für sehr wichtig. Dies betrifft nicht nur soziale Netzwerke, sondern den richtigen Umgang mit dem Internet, mobilen Anwendungen und digitalen Medien insgesamt.

Facebook lebt datenschutztechnisch vom Vertrauen seiner Nutzer. Sollte man Facebook überhaupt vertrauen? 

David: Man kann sogar befürchten, dass Facebook weniger vom Vertrauen als von der Unkenntnis über Nutzungsbedingungen lebt. Facebook sagt ja offen, dass sie mit den Nutzerdaten nachträglich alles beliebige machen wollen und das nach Nutzereinverständnis auch dürfen.

Der Umsatz von Facebook ist von Oktober bis Dezember 2013 um fast zwei Drittel gestiegen. Woher kommt der große Erfolg?

David: Der Umsatz von Facebook kommt ja durch personalisierte Werbung, also Werbung, die auf meine Wünsche und Bedürfnisse angepasst ist. Da Facebook mit über einer Milliarde Nutzer über eine sehr hohe Basis an Kunden verfügt und viele persönliche Informationen über sie gespeichert hat, wird das soziale Netzwerk für diese Art der Werbung zunehmend interessanter.

Facebook hat sich über die Jahre gegen seine Konkurrenz wie StudiVZ oder Wer-kennt-wen durchgesetzt. Wie erklären Sie sich diese Langlebigkeit?

David: Von wirklicher Langlebigkeit kann man meines Erachtens nach noch nicht sprechen. Klar ist aber, je mehr Nutzer und reale Bekannte und Freunde in einem sozialen Netzwerk zu finden sind, desto attraktiver ist es für Nutzer, auch in diesem Netzwerk aktiv zu sein. Momentan haben wir sogar die Situation, dass Facebook für viele jüngere Menschen uninteressant ist, da zum Beispiel auch deren Eltern dort aktiv sind.

Von Daniel Göbel 

Zur Person

Prof. Dr. Klaus David (42) ist seit 2002 Leiter des Fachbereichs Kommunikationstechnik an der Uni Kassel. Er studierte Physik an der Uni Siegen, wo er auch promovierte. David ist verheiratet, ist Vater zweier Kinder und lebt mit seiner Familie in Kassel.

Rubriklistenbild: © dpa

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