"Es geht um die Spielfreude"

"Just One" ist zum Spiel des Jahres gekürt worden

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Spiel des Jahres 2019: Das Wortratespiel "Just One".

Das Wortratespiel „Just One“ ist zum „Spiel des Jahres“ 2019 gekürt worden. Medienwissenschaftler Kai Matuszkiewicz erklärt, was den Reiz an Spielen mit Zufallselementen ausmacht.

Warum spielen wir?

In der westlichen Ideengeschichte gibt es unterschiedliche Antworten dazu. Grundsätzlich würde ich sagen, es geht um die Spielfreude allgemein. Wir wollen uns erleben, als Persönlichkeit austesten. Bei Rollenspielen wollen wir Identität erleben, bei Wettkampfspielen wollen wir uns miteinander messen und vergleichen. 

Viele Spiele ermöglichen uns zudem kreative Gestaltungsmöglichkeiten. Wir wollen Situationen erleben, die wir im realen Leben vielleicht nicht kennen. 

Medienwissenschaftler Dr. Kai Matuszkiewicz.

Ein relativ großer Punkt sind auch die zufallsbasierten Spiele, alles was man früher klassisch Alea – ein Würfelspiel der Römer – genannt hat, wo es um Zufall und Schicksal geht, also wo uns auch ein wenig die Kontrolle entzogen wird.

Spielen wir heute noch Brettspiele?

Es werden immer noch viele Brettspiele gespielt und vor allem auch Kartenspiele. Die drei nominierten Spiele zum Spiel des Jahres waren Kartenspiele. Card- and Boardgames, wie man das heute so nennt, werden immer noch sehr viel gespielt. Die größte Spielmesse weltweit findet in Essen statt. Das ist ein sehr großer Markt.

Welche Spielform ist am beliebtesten?

Das ist schwierig. Es gibt auch häufig Mischformen. Aber Spiele mit einer Glücksspielkomponente, also Spiele mit Zufallsfaktoren haben einen relativ großen Reiz, weil sie für verschiedene Spielertypen offen sind. Man muss kein Profi sein und hat trotzdem eine gewisse Chance, um den Sieg mitzuspielen. Im Gegensatz dazu stehen Spiele wie Schach, die frei von Zufällen sind und die in der Regel der bessere Spieler gewinnt.

Häufig greifen Spiele das Thema einer TV-Serie oder eines Kinofilms auf. Verhelfen die Serien den Brettspielen dadurch zu einem Aufschwung?

Ich würde es eher anders herum sehen. Wenn wir von diesen Medienverbünden oder transmedialen Welten, wie wir sie in der Forschung nennen, sprechen, ist es so, dass es in der Regel einen bestimmten Hauptkanal gibt, über den sie funktionieren. Wenn wir an Game of Thrones denken, waren das früher die Romane. Nun hat es sich aber auf die Serie verlagert. In der Regel sind die Nebenkanäle dazu da, den Hauptkanal zu unterstützen und bestimmte Zielgruppen abzurufen. Es sind schließlich kommerzielle Produkte. Insofern würde ich eher sagen, bereichern diese Spiele die Medienverbünde, indem sie Serien oder Filme unterstützen.

Sind Brettspiele ein Saisonphänomen für die kalte Jahreszeit?

Man kann es nicht pauschal sagen, aber tendenziell ist es schon so, dass häufiger im Winter gespielt wird. Es ist kein Zufall, dass die großen Spielmessen in der Herbstsaison sind.

Sie konnten das Spiel des Jahres „Just One“ bereits testen. Wie fanden Sie es?

Mir hat es sehr gut gefallen. Es ist natürlich ein Genre, das relativ populär ist. Was ich bei „Just One“ aber sehr interessant finde, ist, dass es sehr niederschwellig ist. Es folgt einem Prinzip, was man im Gamedesign „Easy to learn, hard to master“ nennt, also einfach zu erlernen, schwer zu meistern. Es können zwar bei diesem Wortratespiel viele Leute schnell mitmachen, zugleich hat das Spiel aber eine Tiefe und Komplexität, die sich erst erschließt, wenn man sich länger mit dem Spiel auseinandergesetzt hat.

Zur Person

Dr. Kai Matuszkiewicz arbeitet als Medienwissenschaftler mit spielwissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Kassel. Der 33-Jährige lebt in Hann. Münden. 2017 promovierte er an der Georg-August-Universität in Göttingen.

Das Spiel des Jahres

Das Wortratespiel „Just One“ ist zum „Spiel des Jahres“ 2019 gekürt worden. Das Spiel der französischen Autoren Bruno Sautter und Ludovic Roudy sei insbesondere „durch seine Einfachheit genial“, begründet eine Kritikerjury. Ein Spieler muss ein Wort erraten, das die anderen mit Begriffen umschreiben.

Ist bei den notierten Hinweisen aber ein doppeltes dabei, fliegt es raus, bevor der Ratende es zu Gesicht bekommt. 2018 wurde das taktische Legespiel „Azul“ zum „Spiel des Jahres“, 2017 das Spiel „Kingdomino“, bei dem man als Herrscher seines Königreichs neue Ländereien in Form von Landschaftsplättchen suchen muss.

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