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Atomkraftwerke in Europa: Medwedew mit indirekter Drohung

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Von: Jan Oeftger

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Im Ukraine-Krieg finden die Kämpfe auch rund um das Kernkraftwerk Saporischschja statt. Medwedew droht in diesem Zusammenhang auch der EU.

Moskau – Dmitri Medwedew sorgt immer wieder für Aufsehen und Skandale. Der Ukraine-Krieg tobt auch um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja. Deshalb sah sich der ehemalige Präsident Russlands dazu veranlasst, seine Meinung dazu auf dem Nachrichtendienst Telegram zu äußern. Für die Gefährdung dieses AKWs macht der russische Politiker die Ukraine verantwortlich und auch die westlichen Unterstützer kommen bei ihm nicht gut weg. In diesem Zusammenhang bedroht er Atomkraftwerke der EU.

„Die Kiewer Drecksäcke und ihre westlichen Gönner scheinen bereit zu sein, ein neues Tschernobyl zu veranstalten“, schrieb Medwedew am Freitag (12. August) auf Telegram. „Die Raketen und Granaten schlagen immer näher beim Reaktor des Kernkraftwerks Saporischschja und der Lagerstätte für radioaktive Isotope ein“, warnte er.

Dmitri Medwedew (links) sorgt immer wieder mit drastischen Äußerungen für Empörung.
Dmitri Medwedew (links) sorgt immer wieder mit drastischen Äußerungen für Empörung. © dpa

Ukraine-News: Russen haben Kernkraftwerk seit März besetzt

Jedoch beachtete der Russe bei seiner Aussage nicht die Tatsache, dass die Sowjetunion die Katastrophe um Tschernobyl verursacht hatte. Dass das Atomkraftwerk tatsächlich stark gefährdet ist, entspricht jedoch der Wahrheit. Seit März haben die Russen das Kernkraftwerk im Süden der Ukraine besetzt. Kiew und Moskau beschuldigen sich gegenseitig für die Angriffe. Wie stern.de berichtet, wurden die Anlagen beschädigt, die kritische Infrastruktur habe aber bisher nichts abbekommen.

Für Medwedew ist die Schuldfrage einfach zu klären. „Sie sagen, es sei Russland. Das ist selbst für die dumme russophobe Öffentlichkeit ein offensichtlicher, hundertprozentiger Unsinn.“ Der russische Politiker lässt sich zu dem Thema aus und fügt eine Drohung in Richtung der EU an. „Sie sagen, es passiert rein zufällig. Unbeabsichtigt. Was soll ich sagen... Wir sollten nicht vergessen, dass die Europäische Union auch Atomkraftwerke hat. Und Zufälle sind auch dort möglich.“

Ukraine-News: Medwedew sorgt immer wieder für zweifelhafte Aussagen

Da es nicht die erste mehr als fragwürdige Aussage von Medwedew gewesen ist, wird bereits spekuliert, ob er als neuer Hofnarr des Kremls fungiert. Diese Stelle hatte zuvor Wladimir Schirinowski inne, der im April 2022 starb. Er sorgte immer wieder mit Aussagen für Aufreger. Damit konnte Präsident Wladimir Putin die Reaktion seines Volkes beurteilen und daraus ableiten, wie weit er mit seinen Handlungen gehen kann.

Medwedew ist seit 2020 „stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrats“. Dabei leistet er sich immer wieder abwegige Äußerungen. So nannte er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensyj Hitler. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bezeichnete er als „Leberwurst-Fan“. Meistens veröffentlicht Medwedew seine Aussagen über das russische soziale Netzwerk Vkontakte oder eben über Telegram. Dort erklärte er im Juni mit deutlichen Worten: „Ich werde oft gefragt, warum meine Telegram-Posts so hart sind. Ich antworte: Ich hasse sie. Sie sind Bastarde und Abschaum. Sie wollen unseren Tod, den Tod Russlands. Und solange ich am Leben bin, werde ich alles tun, damit sie verschwinden.“

Zuletzt beschimpfte Medwedew Kasachstan als „künstlichen Staat“ auf „ehemaligem russischen Gebiet“. Zudem warf er den kasachischen Behörden „Völkermord an Russen“ vor. Die „verlorenen Gebiete“ sollten zurückerobert werden, wie er forderte. Der Beitrag war nur zehn Minuten online und wurde später mit der Begründung gelöscht worden, dass der Account gehackt worden sein. Der Post sei also nicht von ihm verfasst worden. (Jan Oeftger)

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