Hessens Wohnungswirtschaft will Anreize von Land und Bund – Steuergesetz hängt im Bundesrat

Mehr Geld für Sanierungen gefordert

Modell eines Plus-Energie-Hauses des Kasseler Architekten Manfred Hegger. Foto: nh

Wiesbaden. Hessens Wohnungswirtschaft geht mit der Landesregierung hart ins Gericht. Kern des Vorwurfs: Die Politik verlangt hohe ökologische Standards beim Bau und der Sanierung, doch mit der Förderung hält sie sich zurück.

„Viel Papier, nichts dahinter“ urteilte Rudolf Ridinger, Direktor des Verbandes der südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (Vdw), über die Empfehlung des Hessischen Energiegipfels: Drei Prozent des Wohnungsbestandes pro Jahr energetisch zu sanieren, sei kaum umsetzbar. In Hessen gibt es nach Angaben des Verbandes 2,9 Millionen Wohnungen und Häuser. Davon sind laut VdW etwa 10 bis 15 Prozent energetisch auf einem guten Niveau. Rund 20 bis 30 Prozent könnten zum Beispiel wegen zu hoher Kosten aber gar nicht mehr modernisiert werden. Hierfür seien Investitionen von 500 Millionen Euro nötig. Das Land wolle für die gesamte Förderung der Energiewende aber nur 80 Millionen Euro pro Jahr ausgeben.

Nach Ansicht Ridingers, dessen Verband 200 Unternehmen mit insgesamt 400 000 Wohnungen vertritt, setzt Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) falsche Schwerpunkte: Die Förderung des Austauschs von Umwälzpumpen mit einem Zuschuss von 100 Euro werde vielleicht den Verkauf der Pumpen ankurbeln und die Hersteller erfreuen. Viel effizienter sei es, Heizungsanlagen zu optimieren. Dies könne Spareffekte von 20 bis 30 Prozent bringen.

Kritik übte Ridinger aber auch an der Bundesebene: Da das Gesetz zur steuerlichen Förderung von Sanierungsarbeiten im Bundesrat nicht voran komme, werde die Sanierungsbereitschaft ausgebremst. So habe die Kreditanstalt für Wiederaufbau 2011 in Hessen nur 2276 Wohnungssanierungen mit Krediten gefördert, 2010 seien es 6593 gewesen – ein Rückgang von 65 Prozent. Wichtiger sei die Förderung neuer Technologien. Schon in wenigen Jahren könnten etwa derzeit noch geforderte dicke Dämmungen überholt sein. Dass es heute schon anders gehen könnte, will die Nassauische Heimstätte in Frankfurt zeigen. Der Kasseler Architekt Manfred Hegger hat ein „Plus-Energie-Haus“ für den Geschosswohnungsbau entworfen, bei dem unter anderem moderne Dämmstoffe eingesetzt werden. Als Professor für energieeffizientes Bauen an der TU Darmstadt beschäftigt sich der Architekt schon lange mit diesen Themen. HINTERGRUND

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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