Projekt der TU Braunschweig: Modellwohnung mit elektronischen Sensor-Netzwerken

Mehr Sicherheit für Ältere

Forschungsprojekt: Prof. Reinhold Haux vom Peter L. Reichertz Institut für medizinische Informatik hält in einem „Wohnungslabor“ in der TU Braunschweig ein Display, mit dem die Wohnung per Sensoren überwacht wird. Mit Hilfe von High-Tech sollen Ältere länger zu Haus wohnen können. Foto: dpa

Braunschweig. Die Elektronik macht es möglich: Ältere und auch kranke Menschen sollen künftig länger selbstständig, komfortabler und sicherer in ihren eigenen vier Wänden wohnen können. Denn die intelligente Wohnung der Zukunft ist mir Sensor-Netzwerken bestückt. Eine solche Wohnung wird mit einem Forschungsprojekt an der Technischen Universität Braunschweig entwickelt.

„Unser Projekt ist insofern einzigartig in Deutschland, weil daran nicht nur Wissenschaftler, sondern auch für die praktische Umsetzung wichtige Institutionen wie Wohnungswirtschaft, Ärzte, Sozialdienste und Handwerker beteiligt sind“, betont Professor Reinhold Haux.

„Unser Projekt ist einzigartig in Deutschland, weil daran nicht nur Wissenschaftler, sondern auch für die praktische Umsetzung wichtige Institutionen wie Wohnungswirtschaft, Ärzte, Sozialdienste und Handwerker beteiligt sind.“

Professor Reinhold Haux

Er leitet das Peter L. Reichertz Institut für medizinische Informatik, das von der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover getragen wird. Schon im nächsten Jahr will das stadteigene Unternehmen Nibelungen-Wohnbau GmbH in Braunschweig die ersten elektronischen Wohnungen zur Vermietung anbieten.

Im TU-Institut wurde eine komplett möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad als Experimentierwerkstatt eingerichtet. Überall wurden Sensoren, Bewegungsmelder und zusätzliche Schalter installiert, Elektronik in Türen, Fenster, Geräte, Möbel oder Lampen eingebaut.„Das ist alles miteinander vernetzt“, erläutert Projektleiter Maik Plischke. Herd und Licht werden automatisch ausgeschaltet, wenn man die Wohnung verlässt. Vom Sessel aus können Fenster und Türen per Fernbedienung geöffnet und geschlossen werden. Bei Einbruchsverdacht wird automatisch das Licht- und der Fernsehapparat eingeschaltet.

Besonders wichtig ist ein Bewegungssensor, der an der Kleidung oder am Gürtel getragen wird. Er registriert schnell einen Sturz und sendet sofort einen Notruf an Kontaktpersonen in der Verwandtschaft, an eine Sozialstation oder an den Hausarzt.

Doch die Modellwohnung biete noch mehr. Aus den Messdaten der installierten oder am Körper getragenen Sensoren kann ein Rechner in der Wohnung Verhaltensmuster, Tagesabläufe und Routinen der Bewohner ermitteln, erläutert Plischke. Änderten die sich plötzlich, könne das ein Hinweis auf Krankheiten sein - oder dass etwas passiert ist. Dann könne das System reagieren, Ratschläge geben oder den Pflegedienst oder Hausarzt benachrichtigen. Letzterer könnte sich künftig, online mit der Wohnung verbunden, auch selbst regelmäßig über das Befinden seines Patienten informieren.

„Wir müssen uns als Wohnungsunternehmen auf den demografischen Wandel einstellen und mehr altersgerechte Wohnungen mit ergänzenden Dienstleistungen anbieten“, meint Rüdiger Warnke, Geschäftsführer der Nibelungen-Wohnbau. (lni)

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