Bundesregierung: Folge besserer Statistik - Patientenbündnis: Nur Spitze des Eisbergs

Mehr Tote durch Ärztepfusch und Medizinprodukte-Fehler

Griff nach dem OP-Besteck: Einem Großteil der Todesfälle durch Behandlungsfehler gingen chirurgische Eingriffe voraus. Foto: dpa

Berlin. Die offizielle Zahl der Toten durch Behandlungsfehler oder mangelhafte Medizinprodukte ist innerhalb eines Jahres um mehrere hundert auf zuletzt 1634 gestiegen. Das geht aus den jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamts zum Stand in Kliniken und bei niedergelassenen Ärzten 2010 hervor.

Im Jahr zuvor waren es 1189 Tote. Probleme bei chirurgischen Eingriffen und Behandlungen wurden zuletzt 944 Menschen direkt zum tödlichen Verhängnis, so die Auflistung des Bundesamts. Im Vorjahr waren es noch 551. Als häufigste Todesursachen dieser Statistik nannte die Bundesregierung auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Maria Klein-Schmeink beispielsweise mangelnde Desinfektion, Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen und Komplikationen bei der Implantation eines künstlichen Gerätes.

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„Es ist nur die Spitze eines Eisbergs“, sagte der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hardy Müller. Das Bündnis geht von jährlich 17.000 Todesfällen durch Behandlungsfehler aus. Müller warnte zugleich vor einer Skandalisierung des Themas. Der Trend beruht laut Experten aber auch auf einer gründlicheren und veränderten statistischen Erfassung. Wolfgang Zöller (CSU), Patientenbeauftragter der Bundesregierung, führte den Anstieg der Todesfälle auch auf eine verbesserte Dokumentation zurück: „„Immer mehr Ärzte und Krankenhäuser gehen zu Fehlermeldesystemen über.“ So würden auch viel mehr Fehler erfasst, sagte er der Saarbrücker Zeitung.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte, man müsse die Ursachen der Todesfälle korrekt aufarbeiten. Abstoßungsreaktion bei Transplantation könnten häufig auftretende und den Patienten vorher mitgeteilte Komplikationen sein. Mangelnde Desinfektion oder Hygienemängel seien oft Strukturfehler und nicht Arztfehler. Komplikationen bei Implantationen könnten nicht Ärzten angelastet werden, wenn es sich um TÜV-geprüfte, aber fehlerhafte Produkte handele, wie bei den PIP-Brustimplantaten.

Die Deutsche Hospiz Stiftung forderte mehr Transparenz. „Die Grauzone in diesem Bereich ist gewaltig“, sagte der Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch. Es sei zwingend notwendig, über die Risiken der medizinischen Behandlung besser zu informieren.

Die Bundesregierung will die Patientenrechte stärken. Nach einem Gesetzentwurf sollen Kunstfehler genauer dokumentiert und überprüft werden. (dpa/dapd/wrk)

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