Hessens Bestatter fordern längere Aufbahrungsfrist - Gesetzesänderung kommt 2012

Mehr Zeit für den Abschied

Würdiger Abschied: Bestatter fordern, die Aufbahrungszeit von derzeit maximal 96 Stunden auf zehn Tage zu verlängern. Foto: dpa

Frankfurt. Leichen sollen nach dem Willen hessischer Bestatter vor der Beerdigung länger aufgebahrt werden dürfen. Nach dem laufenden Gesetz müssen zwischen Tod und Bestattung mindestens 48, höchstens aber 96 Stunden vergehen. Diese Frist müsse auf zehn Tage ausgedehnt werden, fordert Hermann Hubing, Geschäftsführer von hessenBestatter.

Der Verband ist die Interessenvertretung der bestattenden Tischler. Weitere rund 250 Bestattungsunternehmen sind im Bestatterverband Hessen organisiert.

Das bis zum nächsten Jahr befristete hessische Bestattungsgesetz müsse sich den gesellschaftlichen Lebensumständen anpassen. „Heute wohnen und arbeiten viele enge Verwandte nicht mehr am Ort der Beisetzung.“ Längere Fristen ermöglichten es ihnen, an der Trauerfeier teilzunehmen.

Noch weiter geht der Bestatterverband: „Eine Bestattung sollte auch nach zehn Tagen nicht zur Pflicht werden. Es muss möglich sein, die Toten einzubalsamieren und die Frist zu verlängern“, sagt Vorstandsmitglied Guido Vaupel.

Längere Aufbahrungsfristen könnten aber auch für Strafverfolger interessant sein. Ein Beispiel: Mehrere Wochen nach der Bluttat am Lebensgefährten seiner Großmutter wird ein junger Mann aus dem Rheingau wegen möglichen Betrugs verhört. Dabei gesteht er die tödlichen Stiche, das Opfer ist aber längst eingeäschert. Der Notarzt hatte es zwar in einer Blutlache gefunden. Doch weil der Rentner an der Bluterkrankheit litt, ging der Mediziner von einem natürlichen Tod aus.

Ein Fehler, der nicht selten passiert, warnen Hessens Bestatter. Deshalb dürfe die Leichenschau nur noch von Profis übernommen werden, fordern sie. Deutsche Ärzte übersehen nach Schätzungen der Branche rund 1200 Morde pro Jahr. Im vergangenen Jahr starben etwa 60 200 Menschen. In jedem dieser Fälle stellt ein Arzt einen Totenschein aus, auf dem er die Todesursache einträgt. „Diesen Schein kann jeder beliebige Arzt ausstellen“, kritisiert Hubing. „Also auch ein Augenarzt oder Psychologe.“ Dabei werden Todesursachen in etlichen Fällen nicht erkannt - oder die Ärzte vermerken eine ungeklärte Todesursache.

Die unabänderliche Folge: Polizei und Staatsanwaltschaft müssen sich einschalten, die Leiche muss obduziert werden, die Verwandten können keinen richtigen Abschied nehmen. (dpa)

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