Merkel sucht bei CDU-Parteitag Lösung im Streit um Flüchtlinge

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Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt den CDU-Bundesparteitag in Karlsruhe Mitte Dezember über ihre umstrittene Flüchtlingspolitik abstimmen. Foto: Michael Kappeler

Die Kanzlerin will es wissen. Beim CDU-Parteitag stellt sie ihre Flüchtlingspolitik zur Abstimmung. Die CSU beharrt auf einer Obergrenze. Parteichef Seehofer will aber nicht über Begriffe zanken.

Berlin/Zeulenroda (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt den CDU-Bundesparteitag in Karlsruhe über ihre umstrittene Flüchtlingspolitik abstimmen.

Nach einer etwa einstündigen Rede zu Beginn des Kongresses am 14. Dezember und einer mehrstündigen Aussprache sollen die rund 1000 Delegierten über einen Antrag des CDU-Vorstands entscheiden, der erst am Vorabend vorgelegt werden soll, wie aus Parteikreisen verlautete.

Darin soll dem Vernehmen nach nicht von einer Obergrenze für Flüchtlinge in Deutschland gesprochen werden, was CSU-Chef Horst Seehofer, die Junge Union und einzelne CDU-Politiker fordern. Stattdessen wolle Merkel bei ihrer Linie bleiben und Flüchtlingskontingente mit der Europäischen Union vereinbaren. Ob dies auf EU-Ebene gelingt, ist allerdings völlig offen.

Die CSU pocht weiter auf eine Obergrenze. Das sei nicht nur eine statische Größe, sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder der Münchner Zeitung "tz". "Es hätte vor allem eine Signalwirkung." Die unbegrenzte und unkontrollierte Zuwanderung im September habe eine Sogwirkung entfacht. "Allein dass Schweden öffentlich gemacht hat, dass seine Aufnahmekapazitäten erschöpft seien, hat zum Rückgang des Zuzugs nach Schweden geführt."

Seehofer betonte, eine Obergrenze dürfe nicht als Abschottung verstanden werden. Gerade Bayern habe in den vergangenen Monaten mit dem Empfang Hunderttausender Flüchtlinge eine "Visitenkarte der Mitmenschlichkeit" abgegeben, sagte der CSU-Chef am Samstag auf einem Parteitag der Thüringer CDU in Zeulenroda. Er warnte die Union zugleich vor Streit um Begriffe wie Obergrenze oder Kontingent. Letztlich gehe es um die Begrenzung der Flüchtlingszahlen. "Kein Land dieser Welt ist in der Lage, unbegrenzt Flüchtlinge aufzunehmen."

Seehofer wird am 15. Dezember als Gastredner auf dem CDU-Bundesparteitag erwartet. Merkel war im November bei ihrem Auftritt auf dem CSU-Parteitag in München von Seehofer auf der Bühne düpiert worden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann lobte das Vorgehen Merkels in der Flüchtlingskrise. "Die Kanzlerin ist ein unglaublicher Stabilitätsfaktor in Europa", sagte der Grünen-Politiker der "Welt am Sonntag". "Und sie zeigt große Weitsicht." Wenn in der EU wieder nationale Grenzen errichtet würden, schalte Europa den Rückwärtsgang ein. "Dann droht das europäische Projekt zu scheitern", warnte Kretschmann. "Das will sie verhindern, und ich bin ganz an ihrer Seite."

Merkels Kurs in der Flüchtlingspolitik ist nicht nur in den Reihen von CDU und CSU umstritten. Neben mehreren EU-Staaten - vor allem im Osten Europas - hatte sich zuletzt auch EU-Ratspräsident Donald Tusk deutlich vom Vorgehen der Bundesregierung distanziert und eine Kehrtwende gefordert.

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