Meyer Werft zieht es nach Luxemburg

Die Meyer Werft will den Sitz der Muttergesellschaft nach Luxemburg verlegen. Das stößt auf heftige Kritik von Gewerkschaft, Betriebsrat und Landesregierung.

Warum reagieren Land und Arbeitnehmer so gereizt auf die Umzugspläne? 

Die niedersächsische Landesregierung und die Arbeitnehmer reagierten äußerst verärgert, weil die Werft bisher alle Entscheidungen im Konsens mit Politik und der Gewerkschaft getroffen hat. Die Werft war auch immer auf die Rückendeckung der Politik angewiesen, weil sie in Papenburg 40 Kilometer im Landesinneren liegt und die nötigen Vertiefungen und Ausbaggerungen der Ems aus ökologischen Grünen höchst umstritten sind.

Die Werft in Papenburg ist mit derzeit 3300 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber im strukturschwachen Emsland und Ostfriesland. Nach Angaben der IHK Ostfriesland-Papenburg in Emden sichert die Werft in den Landkreisen Emsland und Leer über 6000 Arbeitsplätze, auf der Werft direkt und bei Zulieferern.

Was ist das Motiv für die Werft, nach Luxemburg zu gehen? 

Nach dem Kauf einer Werft im finnischen Turku ist das Unternehmen so groß, dass nach deutschem Recht die Einrichtung eines Aufsichtsrats unumgänglich geworden ist. Das will das Unternehmen verhindern.

Ein großer Vorteil des Unternehmens sei es bislang gewesen, schnell und flexibel entscheiden zu können. „Dieses lässt ein Aufsichtsrat nicht zu“, hatte die Werft im Juni argumentiert. Zudem soll in Luxemburg ein Büro für den zentralen Einkauf für die drei Werftstandorte eingerichtet werden.

Luxemburg gilt als Steuersparoase - geht es der Werft ums Steuersparen? 

Werftchef Bernard Meyer hat immer bestritten, dass es ums Steuersparen geht. Die Steuern sollen wie bisher an den Standorten der Werften bezahlt werden. Das sind neben Papenburg und Rostock das finnische Turku, wo Meyer im vergangenen Jahr eine Werft übernommen hat. Ein im Auftrag der Werft erstelltes Gutachten bestätigt, dass die Werft keine Steuern durch die Verlagerung der Konzernverwaltung sparen würde.

Müssen denn die Beschäftigten in Deutschland Angst um ihre Arbeitsplätze haben, wenn die Zentrale in Luxemburg ist? 

Die Werft hat für den Standort Papenburg mit dem Land, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft im Januar einen Standortsicherungsvertrag unterschrieben. Darin hat sich die Werft dazu verpflichtet, 3100 Arbeitsplätze bis 2030 zu sichern. Das Unternehmen stehe zu den Standorten Papenburg und Rostock. „Luxemburg hat keinen Hafen“, sagte Werftchef Meyer seinen Beschäftigten.

Aber wie geht es jetzt weiter? 

Meyer hat bereits eine Firma in Luxemburg gegründet, die die Rolle der Firmenholding spielen soll. Aber bei einem Krisengespräch verständigten sich Meyer, Betriebsrat, IG Metall und Niedersachsens Regierung darauf, dass bis zum Herbst diese Unternehmensmutter nicht aktiv werden darf. Bis September wollen alle Seiten ihre Differenzen ausräumen.

Von Elmar Stephan

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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