Zweifel an Unabhängigkeit der Ermittler

MH17-Absturz: In Trauer mischt sich Wut

Den Haag. „Gemeinsam sind wir wütend, gemeinsam sind wir traurig, gemeinsam gedenken wir“ - mit diesen Worten eröffnete Ministerpräsident Mark Rutte am Dienstag die Sitzung des niederländischen Parlaments in Den Haag. Gedenken an Malaysia Airlines, Flug MH 17: Die Flugzeugkatastrophe über der ukrainischen Stadt Donezk vor gut eineinhalb Monaten ist für unsere Nachbarn noch längst nicht vergessen.

298 Menschen kamen ums Leben, 198 hatten einen niederländischen Pass. 173 Opfer wurden inzwischen identifiziert, erst Ende August konnten die sterblichen Überreste von 73 malaysischen Opfern nach Kuala Lumpur überführt werden.

In die Trauer mischt sich zunehmend aber auch Wut. Noch Anfang August hatten der niederländische und der australische Regierungschef (an Bord waren auch 38 Passagieren vom fünften Kontinent) versprochen, eine erste Bilanz der amtlichen Untersuchungskommission werde „in zwei bis drei Wochen“ veröffentlicht. Seither geschah nichts. Inzwischen diskutiert die niederländische Öffentlichkeit heftig über eine kleine Nachricht der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, die zunächst lange unbeachtet geblieben war. Schon im August hatte deren Sprecher nämlich betont, „die Ergebnisse der Ermittlungen werden nach Abschluss sowie nach Zustimmung aller Parteien, die an der Untersuchung beteiligt sind, bekanntgegeben.“

Dies sind neben den Niederländern auch Belgier, Australier und die Ukraine – erstaunlicherweise nicht die malaysische Seite. Die Vorstellung, dass man sich nicht auf die Preisgabe aller Details verständigen könnte, „macht mich rasend und wütend“, sagte ein Angehöriger der Opfer in Den Haag gegenüber unserer Zeitung.

Die bisherige Theorie vom versehentlichen Abschuss durch pro-russische Rebellen hat nämlich Löcher bekommen. Internationale Experten und sogar Fachleute der Lufthansa halten angesichts der Form der Durchlöcherung des Rumpfes auch einen Abschuss durch Bordwaffen eines Jagdbombers für denkbar. „Dafür sprechen die Durchschüsse an beiden Seiten des Rumpfes, die für eine Boden-Luft-Rakete nicht typisch sind“, sagte ein Ermittler auf Nachfrage.

Dass angesichts solcher Spekulationen schon darüber gestritten wird, ob der Untersuchungsbericht vielleicht nur deshalb in der Schublade liegt, damit man nicht in den Ukraine-Krieg eingreift und eine Seite an den Pranger stellt, ist verständlich. Der frühere republikanische US-Senator und Irak-Veteran Ron Paul wunderte sich öffentlich darüber, das die US-Regierung „so erstaunlich schweigsam und still“ die Darstellung der eigenen Geheimdienste hinnehme, denen zufolge entweder pro-russische Rebellen oder Russland selbst den Passagier-Jet abgeschossen hätten.

Von Detlef Drewes

Rubriklistenbild: © dpa

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