Start ins Ausbildungsjahr: Es gibt zu wenig Wohnheimplätze in Großstädten

Miete höher als der Lohn

Hamburg. Zwei Doppelstockbetten und ein Einzelbett, ein paar Stühle rund um einen Tisch, oben in der Zimmerecke ein kleiner Fernseher, dazu abgetrennt vom gut 20 Quadratmeter großen Raum ein Flur mit Schrank und Waschgelegenheit sowie noch einmal extra Toilette und Dusche – so sieht das Quartier von René Märtens aus.

Der 20-Jährige ist mit vier Mitschülern der Berufsbildenden Schule Hameln im Förderungs- und Bildungszentrum Garbsen untergebracht, wo der angehende Lackierer einen mehrere Wochen dauernden Fachkurs der überbetrieblichen Ausbildung besucht. „Wenn man sich nicht kennen würde, dann müsste man sich auf so engem Raum erstmal aneinander gewöhnen. Dass man in der Regel abends um zehn auf seinem Zimmer sein muss, finde ich ein bisschen früh”, sagt Märtens.

Das Wohnheim, dessen Träger die Handwerkskammer Hannover ist, ist eines von mehr als 550 Azubi-Wohnheimen in Deutschland, die jährlich von 200 000 jungen Leuten genutzt werden. Für ein paar Wochen wie in Garbsen oder auch während der kompletten Ausbildung, weil die Lehrstelle weit entfernt vom heimatlichen Wohnort liegt. Doch gerade in den Ballungsräumen mit dem größten Lehrstellenangebot fehlen günstige Azubi-Unterkünfte. Die Folge: Eine Ausbildung kann dort oft nur begonnen werden, wenn die Eltern ein teures Privatzimmer bezahlen.

„Für unsere Auszubildenden-Wohnheime in Köln oder München gibt es Wartelisten”, sagt Matthias von Schlichtkrull-Guse, Referent für Jugendwohnen beim Verband der Kolpinghäuser. Die katholische Organisation ist Träger von bundesweit 44 Wohnheimen für Auszubildende. Die sind häufig unter 18 Jahre alt und werden im Wohnheim von Sozialpädagogen betreut. Kosten für die Jugendlichen inklusive Verpflegung pro Monat: rund 250 Euro.

In Hamburg kommt die Hälfte der 39 000 Auszubildenden von außerhalb. Für sie gibt es keinen verbilligten Wohnraum. Das kritisiert die heimische Wirtschaft. Mit finanzieller Unterstützung von Firmen und dem Land Hamburg soll bis 2014 in der Hansestadt das erste Auszubildenden-Wohnheim mit mehr als 500 Plätzen entstehen. Jeder Bewohner soll dort künftig ein eigenes zwölf Quadratmeter großes Zimmer nutzen können.

Unterschiedliche Vergütungen

Der Mietpreis liegt bei maximal 30 Prozent des Bruttogehalts. Hintergrund: Bei den unterschiedlichen Ausbildungsvergütungen wäre eine Einheitsmiete ungerecht. Ein Maler verdient zum Beispiel anfangs nur 350 Euro monatlich.

www.auswaerts-zuhause.de

Von Joachim Göres

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