Schweizer Genossenschaft setzt auf Wachstum und will Millionen investieren

Migros Zürich übernimmt die Supermärkte von Tegut

Nun ist es öffentlich: Gestern gab Tegut-Chef Wolfgang Gutberlet in Zürich den Verkauf der Fuldaer Lebensmittelkette an den Handelsriesen Migros bekannt. Foto:  dpa

Kassel/Fulda. Nachdenklich wirkte Wolfgang Gutberlet (68) am Donnerstag bei der Bekanntgabe des Verkaufs der Tegut-Lebensmittelkette an die Genossenschaft Migros Zürich. 1947 hat sein Vater Theo Gutberlet das Unternehmen unter dem Namen Thegu gegründet.

Der Name leitete sich von seinem Vor- und Nachnamen ab. 1955 erfolgte die Änderung in Tegut, seitdem war es in Familienhand. Zuletzt hat Gutberlets Sohn Thomas (42) als Vorstandsvorsitzender die Geschäfte geführt – eine vierte Generation wird es nicht geben.

Wie seit Tagen spekuliert hat Migros Zürich die 290 Filialen des Handelsbetriebs der Tegut Gutberlet Stiftung & Co. KG übernommen. Die Handelsgruppe wird mit 5000 Mitarbeitern eine eigenständige Gruppe in Fulda bleiben. Die Unternehmensleitung wird auch weiterhin bei Thomas Gutberlet liegen. Zum Preis der Übernahme, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung seitens der Verwaltung des Migros-Bundes und der kartellrechtlichen Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde steht, wurden keine Angaben gemacht.

Die finanzstarke Migros sieht in der Partnerschaft ein langfristiges Engagement und plant daher einen „zweistelligen Millionenbetrag in die Aufwertung und Ausweitung des Tegut Filialnetzes zu investieren“. Deshalb gebe es auch keine Anzeichen dafür, dass Personal reduziert wird, hieß es gestern aus Fulda. Nach wie vor hält Tegut aber an der Aussage fest, dass defizitäre Filialen geschlossen werden.

Vom Verkauf nicht betroffen sind die Herzberger Bäckerei und die Kurhessische Fleischwaren Fulda. Sie werden als Lieferanten mit Migros zusammenarbeiten. Wolfgang Gutberlet will sich auch künftig um die in der Holding verbliebenen Unternehmen kümmern: „Mit Migros Zürich hat Tegut einen Käufer gefunden, der weiterführen wird, was in vielen Jahren mit vielen Menschen aufgebaut worden ist.“ Vor 30 Jahren hatte er den richtigen Riecher für gesündere Nahrungsmittel. 1982 erweiterte er als junger Chef die Warenpalette um Bio-Waren – ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der etwas anderen Handelskette. Umso wichtiger scheint es nun, wenn Migros-Präsident Edi Class betont, dass er die Wachstums-Strategie fortsetzten will: „Expansion in der Schweiz ist für die Migros nur noch bedingt möglich.“ Aber in Deutschland wachse der Lebensmittelhandel stärker.

Hintergrund: Die Lebensmittelhändler

Tegut-Gruppe, die 1947 gegründet wurde, zählt rund 290 Märkte in Hessen, Thüringen, in Göttingen und Mainz sowie in Bayern. Ende des Jahres waren es 312. Der Umsatz lag bei 1,17 Mrd. Euro, 2010 waren es 1,15 Mrd. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 6301 auf 6400.

Zur Tegut Gutberlet Stiftung & Co. KG gehören folgende Gesellschaften: die Okay Handelsgesellschaft mbH & Co. Tegut, die Gutberlet GmbH, die Gutberlet Vertriebs GmbH & Co. Handels KG, die Gutberlet Vertriebs GmbH, TGT GmbH & Co. Logistik KG und die TGT Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH.

Migros ist das größte Einzelhandelsunternehmen der Schweiz. Im vergangenen Jahr erzielte Migros einen Umsatz von umgerechnet 20,46 Milliarden Euro. Das Unternehmen wurde 1925 von Gottlieb Duttweiler in Zürich gegründet. Seit den 50er-Jahren ist Migros im Ausland aktiv. Den Kern der Migros-Gruppe bilden zehn regionale Genossenschaften. Tegut geht an Migros Zürich, der Umsatz macht etwa ein Zehntel des Gesamtumsatzes aus. Migros Zürich beschäftigt 8700 Mitarbeiter und betreibt in der Schweiz 100 Super-/Verbrauchermärkte, 33 Fachmärkte, 45 Gastronomie-Betriebe sowie fünf Klubschulen, fünf Fitnessparks und drei Golfanlagen. (mwe)

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.