Frankreich startet Militäreinsatz

Maizière: Kein deutscher Kampfeinsatz in Mali

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Frankreich hat Truppen nach Mali geschickt.

Bamako - Der UN-Sicherheitsrat will am Montag über die Lage in Mali beraten. Unterdessen schließt Verteidigungsminister Thomas de Maizière einen Kampfeinsatz deutscher Soldaten aus.

Über eine mögliche Beteiligung Deutschlands an einer Ausbildungsmission sei noch keine Entscheidung gefallen, sagt der CDU-Politiker am Montag im Deutschlandfunk. Erste Planungen gebe es aber bereits.

Bevor deutsche Ausbilder in das afrikanische Krisenland geschickt werden könnten, benötige man einen politischen Konsens über das Engagement der internationalen Gemeinschaft in Mali. Auch eine mögliche logistische Unterstützung, etwa mit Flugzeugen für die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas zum Transport von Truppen, werde man gegebenenfalls prüfen.

400 französiche Soldaten bereits nach Mali verlegt

Der UN-Sicherheitsrat will am Montag über die Lage in dem westafrikanischen Land beraten. Das Treffen sei auf Wunsch Frankreichs anberaumt worden, teilte der Sprecher der französischen UN-Mission, Brieuc Pont, am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Afrikanische und europäische Länder sowie die USA unterstützen den französischen Militäreinsatz aktiv.

Kampfflieger griffen die Aufständischen am Sonntag in der Stadt Gao an. Das französische Verteidigungsministerium teilte mit, die Flugzeuge hätten in der Nähe der Bezirkshauptstadt zahlreiche Ziele identifiziert und zerstört, darunter den Flughafen sowie von den Aufständischen genutzte Ausbildungszentren und Lagerhäuser. Zugleich räumten Militärvertreter ein, die Rebellenkämpfer seien besser ausgerüstet und trainiert als erwartet.

Die Islamisten verfügen vor allem über Waffen aus dem Arsenal des früheren libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi und über erbeutete Ausrüstung der malischen Streitkräfte. Ein Befehlshaber der Rebellen in Goa bestätigte die Angriffe und warnte, sie hätten keinen Effekt, da seine Einheiten ständig in Bewegung seien. Die Kampflust der Islamisten sei durch den Beschuss noch gestärkt worden, sagte er.

Deutschland will keine Soldaten schicken

Mehr als 400 französische Soldaten sind laut Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian bereits nach Mali verlegt worden, um Regierungstruppen im Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen. Außenminister Laurent Fabius sagte, die Offensive der Islamisten sei gestoppt worden. „Es ist uns gelungen, die Terroristen abzublocken“, sagte Fabius.

Großbritannien will den Franzosen logistisch beistehen. Die Regierung in London werde zwei große Transportflugzeuge in die Region schicken, sagte Afrika-Minister Mark Simmonds dem Sender Sky News. Möglicherweise würden sich die Briten auch in europäischer Zusammenarbeit an der Ausbildung der malischen Streitkräfte beteiligen, sagte Simmonds. Eigene Kampftruppen will das Land aber nicht entsenden.

Die USA wollen Frankreich ebenfalls beim Transport und bei der Kommunikation unterstützen. Für Deutschland stehe ein Einsatz von Kampftruppen in Mali hingegen nicht zur Debatte, teilte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mit.

Die afrikanischen Nachbarn Niger, Burkina Faso, Senegal und Nigeria stimmten zudem der Entsendung von Soldaten zu. Am Sonntag sollten die ersten afrikanischen Truppen, darunter jeweils bis zu 500 Soldaten aus Burkina Faso und Niger, in Mali eintreffen, berichtete das Staatsfernsehen.

Drei Kinder ertrunken

Genaue Opferzahlen der Kämpfe waren zunächst nicht bekannt. Laut dem malischen Staatsfernsehen kamen jedoch in Konna mindestens elf Zivilisten ums Leben. Darunter seien auch drei Kinder gewesen, die sich bei einem Luftangriff in einen Fluss stürzten und ertranken, sagte der Bürgermeister der umkämpften Stadt.

Das westafrikanische Mali war nach einem Putsch im März vergangenen Jahres ins politische Chaos gestürzt. Die islamistische Gruppe Ansar Dine übernahm die Kontrolle über den Norden des Landes und führte dort das islamische Rechtssystem, die Scharia, ein. In den vergangenen Monaten rückten die Kämpfer immer weiter nach Süden vor. Frankreich hatte daraufhin am Freitag kurzerhand einen Militäreinsatz beschlossen.

dapd

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