Nach Druck der US-Behörden

480 Millionen Euro für Betrugsopfer: Western Union stimmte Entschädigungen zu

Wiesbaden/Hannover. Der US-Finanzdienstleister Western Union (WU) hat unter dem Druck von Ermittlungen der US-Behörden zugestimmt, umgerechnet 480 Mio. Euro Entschädigung an Betrugsopfer weltweit zu leisten.

Das wurde schon Anfang 2017 vereinbart - nun laufen laut Landeskriminalamt (LKA) Hessen Fristen aus. Bar eingezahlt, von Kreditkarten oder von Konten geholt - WU leitet Geld schnell und unkompliziert in 200 Länder und Regionen rund um den Globus. Zwischen 1. Januar 2004 und 19. Januar 2017, die Zeit für die entschädigt wird, liefen so aber auch Hunderttausende Geldtransaktionen, die in Taschen von Betrügern landeten.

Ein einziges Verfahren, das LKA Niedersachsen und Staatsanwaltschaft Osnabrück 2016 führten, listete knapp 800 Geschädigte in Niedersachsen auf, knapp 8000 im ganzen Bundesgebiet.

Die Masche läuft weiter. Und so werden ahnungslose Opfer um ihr Geld gebracht: Betrüger kontaktieren sie, geben sich als Verwandte in Notlagen aus, die dringend Geld brauchen. Auch mit Lotteriegewinnen oder Jobs wird gelockt - gegen Vorabüberweisung. Wer zahlt, ist sein Geld in der Regel los - für nichts.

Vorfall in Kassel

Vergangene Woche erst meldete die Kasseler Polizei Anrufe, die zwei Rentnern einen ganz dicken Fisch vorgaukelten. Um 40 000 Euro aus einer Lotterie zu erhalten, sollten sie zuvor 900 Euro per Western Union schicken.

Der Dienstleister habe trotz Kenntnis krummer Touren seine Kunden zu wenig geschützt, rügt die US-Verbraucherschutzbehörde FTC. Teils hätten WU-Agenten Kriminellen sogar zugearbeitet.

Nun zahlt WU, wie viel genau bleibt offen. Allerdings ist Tempo gefragt: Die Anspruchsfrist endet am 12. Februar. Das teilte das LKA Hessen mit, nachdem sich dort ein Mann gemeldet hatte, der in einer Entschädigungsnachricht aus den USA neuen Schwindel witterte. 500 000 solcher Mails an Betrugsopfer hat die FTC bislang verschicken lassen.

Das Osnabrücker Ermittlungsverfahren nahm Betrüger ins Visier, die aus einem Callcenter im indischen Kalkutta angeblich Sicherheitsprogramme auf deutsche Computer spielen oder Viren entfernen wollten. Tatsächlich luchsten sie ihren verunsicherten Opfern per Zuschalt-Fernsteuerung und anderen Tricks viel Geld ab. Wer sich wehrte, dem wurden PC-Programme gelöscht. Das Strafverfahren gegen sieben Callcenter-Betreiber und -Vermieter läuft mit Akten aus Niedersachsen vor einem indischen Gericht - Stand unbekannt.

Selbst das Bundeskriminalamt (BKA) spannen Kriminelle ungefragt für sich ein: Anfang 2013 warnte die Wiesbadener Behörde Opfer von Anlagebetrügereien. Viele bekamen damals gezielt Anrufe falscher BKA-Beamter, die um Geld über Western Union baten. Das sollte angeblich Festnahmen von Anlagebetrügern finanzieren. 

US-Behördeninfos zum Fall finden Sie hier.

Online-Meldung an US-Kanzlei

• Wer Verluste aus Western-Union-Transfers zwischen 1.1.2004 und 19.1.2017 bei US-Behörden gemeldet hat, wird angeschrieben. Ansonsten bleibt laut LKA Hessen bis 12. Februar die Online-Meldung unter www.westernunionremission.com - auf Englisch. 

Wenn die mit der Abwicklung beauftragte Kanzlei Gilardi & Co sich dann melde, sei das kein neuer Betrugsversuch, betont das LKA.

• WU selbst bietet inzwischen eine Anti-Betrugshotline an. Online listet der Ratgeber eine lange Reihe mieser Tricks auf. Heiratsschwindler, Miet- und Kreditbetrüger, Geldwäsche - alles dabei.

• Auch guter Rat: "Nutzen Sie Western Union nur für Geldüberweisungen an Freunde und Verwandte!" Erstattet werde in der Regel nichts - auch nicht bei betrügerischen Geldtransaktionen.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.