Besitz einer Bibel reicht für Verhaftung

Wachsender Terror: 100 Millionen Christen werden weltweit verfolgt

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Christenverfolgung

Weihnachten ist für Christen in vielen Ländern nicht mehr nur die Zeit der Freude, sondern inzwischen auch der Angst. Islamisten verübten auch 2013 zahlreiche Anschläge auf Christen und Kirchen. Vielerorts flüchten Christen vor dem wachsenden Terror, 100 Millionen werden weltweit verfolgt.

Die Christenverfolgung hat nach Angaben von Menschenrechtsgruppen und Kirchen nicht nur im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas, sondern weltweit zugenommen. Besonders in Afrika und im Nahen Osten leiden Christen unter islamischen Extremisten und intoleranten, christenfeindlichen Regierungen.

„Noch nie zuvor in der Geschichte wurden so viele Christen bedrängt und verfolgt wie in unseren Tagen“, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. CDU-Politiker Volker Kauder beklagt schon lange, dass „das Leiden verfolgter Christen“ im Westen zu sehr verdrängt werde. „Wir beobachten mit großer Sorge, dass die Lage der Christen und anderer religiöser und ethnischer Minderheiten in Nordafrika, dem Nahen oder Mittleren Osten nach dem Sturz der autoritären Regime sich zum Schlechteren entwickelt“, heißt es auch im neuen Koalitionsvertrag.

Ein Überblick: In diesen Ländern werden Christen besonders drangsaliert

Nordkorea: Nordkoreaner, die von der Staatsideologie Juche abweichen, leben gefährlich. Das gilt auch für Christen. Im Weltverfolgungsindex 2013 des Hilfswerks „Open Doors“ belegt Nordkorea zum elften Mal in Folge den ersten Platz. Flüchtlinge erzählen, das Bekenntnis zum Christentum und der Besitz einer Bibel reiche als Grund für eine Verhaftung.

Syrien: Die Christen haben den syrischen Bürgerkrieg nicht angezettelt, trotzdem sind sie von seinen Folgen besonders stark betroffen. Denn obwohl die meisten Christen versucht haben, sich aus dem blutigen Konflikt zwischen dem Regime und der Opposition herauszuhalten, werden sie angefeindet und unter Druck gesetzt. Aktivisten schätzen, dass bereits etwa 40 Prozent der Christen geflohen sind. Die Christen stellten bislang etwa zehn Prozent der Bevölkerung Syriens.

Türkei: In der Türkei, deren Landstriche einst Keimzelle und Kernland des Christentums waren, sind Christen heute eine kleine Minderheit. Viele der wohl nur noch etwa 100.000 Menschen beklagen, dass der Staat ihren Religionsgemeinschaften keine volle rechtliche Gleichstellung mit der muslimischen Mehrheit gibt oder sie im Alltag Diskriminierung erlebt haben. Nach einer Serie tödlicher Anschläge vor einigen Jahren ist direkte Verfolgung aber eine Ausnahme.

China: Die Situation der 80 Millionen Christen in China hat sich deutlich verbessert. Trotzdem ist die staatlich garantierte Religionsfreiheit weiterhin eingeschränkt.

Ägypten: Die christliche Minderheit in Ägypten gehört zu den Gewinnern des Machtwechsels in Kairo. Zwar hatten Extremisten im vergangenen August während der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten der Muslimbrüder mehrere Kirchen und christliche Schulen verwüstet. Doch in dem später verabschiedeten Entwurf für eine neue Verfassung sind die Rechte der Christen stärker verankert als in der Verfassung, die 2012 unter dem islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi beschlossen worden war. Die Christen klagen dennoch weiterhin über Diskriminierung. Knapp zehn Prozent der Ägypter sind Christen.

Irak: „Wir sind die ursprünglichen Einwohner dieses Landes, wir dürfen den Irak nicht verlassen“, lautet die Botschaft der Bischöfe im Zweistromland. Doch nicht alle Gemeindemitglieder reagieren auf dies Appelle. Als 2003 die von den USA angeführte Invasion des Irak begann, lebten an Euphrat und Tigris noch etwa 1,5 Millionen Christen. Heute sind es nur noch rund 300.000.

Pakistan: Auf Christen in Pakistan wurde in diesem Jahr der bislang schwerste Anschlag gegen die Minderheit in der Geschichte des Landes verübt. Zwei Selbstmordattentäter rissen an einer Kirche in Peshawar 86 Menschen mit in den Tod. In der Gemeinde ist von mehr als 150 Opfern die Rede. Zwar werden Christen im mehrheitlich islamischen Pakistan oft zur Zielscheibe meist absurder Blasphemievorwürfe, in deren Folge auch Menschen getötet werden. Massaker an Christen hat es vorher aber nicht gegeben.

Nigeria: Die islamistische Sekte Boko Haram hat auch 2013 den Kampf für einen islamischen Staat und gegen die Christen fortgesetzt. Es gab zwar keine spektakulären Anschläge auf Kirchen wie 2012, aber viele kleine Übergriffe, bei denen es zahlreiche Tote und Verletzte gab. Zehntausende Christen sind in den Süden geflohen. Kinder werden zu Islamunterricht gezwungen, Mädchen zwangsweise verheiratet und islamisiert. (dpa)

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