Gefälschte Rezepte: Zwei Mio. Euro Schaden - Erste Festnahme, Ärztin flüchtig

Millionenbetrug an Kassen: Das Netz zieht sich zu

Frankfurt. Um zwei Millionen Euro soll ein kriminelles Trio deutsche Krankenkassen betrogen haben, gegen das die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt seit zwei Jahren ermittelt. Am Donnerstag gab es nach einer Hausdurchsuchung eine erste Festnahme.

Der 59-jährige Frankfurter, der den Rezeptbetrug in großem Stil zusammen mit einer 55-jährigen Ärztin und einem 38-jährigen Apotheker aufgezogen haben soll, sitzt in Untersuchungshaft.

Die Ärztin stellte Rezepte für gesetzlich versicherte Patienten aus, von denen die keine Ahnung hatten. Der jetzt geschnappte Helfer brachte die Rezepte zu einer Apotheke im Frankfurter Bahnhofsviertel, die sie dann bei den Kassen abrechnete - ohne dass je Medikamente für die Versicherten über den Ladentisch gegangen wären. So beschreibt Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft das System der Betrüger.

Alexander Badle

Ein ziemlich geschlossenes System, das zu knacken Zeit und Erfahrung der Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen (ZBVKG) gebraucht habe, so Badle gegenüber der HNA: Erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten kamen 2009 von der AOK. Die Ärztin, sagt Badle, sei mit ähnlichen Betrügereien - noch in kleinerem Stil, damals mit eigenen Verwandten - einschlägig bekannt gewesen. Nach Sichtung von 19 000 Rezepten aus der Zeit von Januar bis Oktober 2009, umfangreichen Patientenbefragungen und Recherchen in Apothekencomputern habe sich der Betrugsverdacht erhärtet.

Als Erster, sagt Badle, knickte der Apotheker ein. Der habe inzwischen eine sechsstellige Summe zurückbezahlt und die Fahnder auf die Spur des am Donnerstag festgenommenen „Rezept-Briefträgers“ geführt.

Dieser hatte mit dem Apotheker offenbar das Gegengeschäft eingefädelt: Im Gegenzug für die Rezepte, die für ihn ja wie Bargeld waren, soll der Apotheker dem 59-Jährigen Medikamente und Potenzmittel im Wert von zwei Dritteln der Rezepte gegeben haben. Badle: „Diese soll der Beschuldigte dann veräußert und den Erlös mit der Frankfurter Ärztin geteilt haben“ - macht ein Drittel der Beute für jeden.

Die Ärztin - und damit auch ein Gutteil des Geldes der Kassen - ist weg. Die Frau wird laut Badle mit internationalem Haftbefehl gesucht. Untergetaucht ist sie offenbar schon im Mai 2010. Damals hätte sie wegen des früheren Falles zur Hauptverhandlung wegen gewerbsmäßigen Betruges vor dem Landgericht Frankfurt erscheinen sollen.

Von Wolfgang Riek

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