Neuregelungen in Deutschland

Mindestlohn, Homeoffice und Co.: Diese Änderungen kommen im Juli 2021

Ab Juli 2021 gelten mehrere gravierende Änderungen. Doch was ändert sich bei Homeoffice, Mindestlohn, Einwegplastik und Co?

Berlin/Kassel - Ab dem 1. Juli 2021 treten in Deutschland einige Neuregelungen in Kraft. Hier eine Übersicht, was sich für Verbraucher und Verbraucherinnen sowie Arbeitnehmende alles ändert.

Änderungen im Juli 2021: Erhöhung des Mindestlohns - Minijobber müssen aufpassen

Gute Nachrichten für Arbeitnehmende: Der gesetzliche Mindestlohn wird zum 1. Juli 2021 um 10 Cent von 9,50 Euro auf 9,60 Euro angehoben. Bei einer Beschäftigung mit einer 40-Stunden-Woche steigt der Brutto-Verdienst damit um 208 Euro pro Jahr. Geplant ist eine sukzessive weitere Anhebung des Mindestlohns auf 10,45 Euro pro Stunde bis Ende 2022. Doch Minijobber und Minijobberinnen müssen aufpassen: Wer künftig mehr als 46 Stunden pro Monat arbeitet verdient dann über 450 Euro und rutscht in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Änderungen beim Zoll ab Juli 2021: Freigrenze für Bestellungen aus dem Ausland entfällt

Online-Shopping im Ausland wird ab Juli teurer - die bisherige Zoll-Freigrenze von 22 Euro für Lieferungen aus dem Ausland fällt weg. Damit werden in der Regel künftig für alle Waren, die zum Beispiel in den USA oder China bestellt wurden, Einfuhrabgaben fällig. Das teilt der Zoll mit. Ausnahme: Abgaben von weniger als einem Euro werden wie bisher auch weiterhin nicht erhoben.

Zum 1. Juli 2021 treten einige neue Gesetze in Kraft: Unter anderem profitieren Arbeitnehmende, denn der gesetzliche Mindestlohn wird angehoben.

Mehr Klimaschutz ab Juli 2021: Verbot von Einwegplastik tritt in Kraft

Verbraucher und Verbraucherinnen werden es in den Regalen merken: Wattestäbchen, Einwegbesteck, Strohhalme und Co. aus Plastik wird es nicht mehr zu kaufen geben. Am 3. Juli tritt das Verbot von Einweg-Plastik* in Kraft. Damit folgt der Gesetzgeber einem Beschluss des Europaparlaments. Innerhalb der EU sind damit ab 3. Juli folgende Produkte aus Plastik verboten:

  • Plastikteller, - becher und -besteck
  • Strohhalme
  • Styroporbecher und -boxen
  • Rührstäbchen
  • Wattestäbchen
Am 3. Juli tritt das Verbot von Einweg-Plastik in Kraft.

Doch verschwinden die Produkte nicht sofort, denn lediglich die Herstellung der Einweg-Plastik-Produkte ist ab 3. Juli verboten - vorhandene Warenbestände dürfen weiter verkauft werden. Andere Wegwerfprodukte sind nicht von den Änderungen im Juli 2021 betroffen: Feuchttücher oder Zigaretten mit kunststoffhaltigen Filtern müssen ab 3. Juli aber eine spezielle Kennzeichnung erhalten, berichtet Merkur.de*. Sie soll demnach die Verbraucher und Verbraucherinnen auf Umweltschäden durch Plastik hinweisen und über die korrekte Entsorgung informieren, so die Bundesregierung.

Änderungen für Patienten und Patientinnen 2021: Die elektronische Akte wird ausgerollt

Auch für Patienten und Patientinnen tritt ab Juli eine Neuerung in Kraft: Bereits seit Januar gibt es in Deutschland die elektronische Patientenakte (ePA), Versicherte hatten seitdem Anspruch gegenüber ihrer Krankenkasse auf eine kostenlose ePA-App für das Smartphone. Zunächst wurde die App von Patienten und Patientinnen sowie wenigen Ärzten und Ärztinnen mit Inhalt befüllt. Doch ab Juli sollen alle Arztpraxen in Deutschland an das ePA-System angeschlossen werden.

Auch die Rezepte werden digital: Künftig gibt es für verschreibungspflichtige Medikamente das Rezept papierlos in elektronischer Form. Am 1. Juli startet die Testphase für das E-Rezept - bis 1. Januar 2022 solle es für alle Verordnungen apothekenpflichtiger Arzneimittel für alle gesetzlich Versicherten verpflichtend sein.

Ab Juli 2021: Homeoffice-Pflicht wird aufgehoben

Die einen freut es, die anderen sind etwas traurig: Ende Juni läuft die Homeoffice-Pflicht aus - Grund dafür sind die sinkenden Corona-Fallzahlen in Deutschland. Der Bund hatte angeordnet, dass überall dort, wo es möglich ist, Arbeitgeber die Möglichkeit zum Homeoffice anbieten müssen - diese Pflicht war Teil der Bundesnotbremse. Demnach ist ab 1. Juli 2021 die Arbeit im Homeoffice nur noch möglich, wenn der Arbeitgeber zustimmt. Einer Befragung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY zufolge befürworten 81 Prozent aller befragten Arbeitnehmenden das Arbeiten im Homeoffice und wollen künftig nicht mehr an allen Wochentagen im Büro tätig sein.

In Deutschland hatten zuletzt die Grünen für ein generelles Recht auf Homeoffice auch nach der Corona-Pandemie geworben* - doch die Industrie lehnte diesen Vorschlag ab. Laut dem Arbeitsrechtler Christian Bitsch sie die Regelung zum Ende der Homeoffice-Pflicht allerdings nicht ganz eindeutig, berichtet das Manager Magazin. Demnach sei §28b Abs. 7 des Infektionsschutzgesetzes handwerklich schlecht gemacht. Doch in der Praxis wird es für Arbeitnehmer möglicherweise schwer umsetzbar auf das Homeoffice zu bestehen - die wenigsten werden deshalb vor Gericht ziehen wollen oder können.

Millionen Rentner betroffen - die Rentenerhöhung im Westen fällt im Juli 2021 aus

Normalerweise wird jedes Jahr im Sommer die Rente angepasst. Doch aufgrund der Corona*-Krise fällt die Rentenerhöhung in diesem Jahr aus - zumindest im Westen. Rund 21 Millionen Menschen sind von dieser Nullrunde betroffen. Lediglich im Osten erhalten die Rentner ab 1. Juli 0,72 Prozent mehr Altersbezüge. Die Renten im Osten steigen deshalb trotz Corona-Krise leicht, da bis zum Jahr 2024 die Renten in Ost und West angeglichen sein sollen.

Doch bereits ab dem kommenden Jahr könnten sich viele Rentner und Rentnerinnen möglicherweise über mehr Geld von der Rentenkasse freuen. Grund dafür ist eine Anpassung der Rentenformel ab Juli 2022, berichtet fr.de*. Voraussetzung sei demnach jedoch eine positive Entwicklung der Wirtschaft noch in diesem Jahr - dann könnte die Rente um bis zu 5,6 Prozent steigen. (Diana Rissmann) *hna.de,merkur.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.