Minimalziel Wiedereinzug

Interview: Linke wollen in der Opposition bleiben

Hannover. Die Niedersachsen wählen in zwei Wochen einen neuen Landtag. Die Linken kämpfen um den Wiedereinzug. Wir sprachen mit Spitzenkandidat Manfred Sohn.

Herr Sohn, das Programm der Linken erinnert ein wenig an Robin Hood: Wir nehmen es den Reichen und geben es den Armen. Warum wollen trotzdem so wenig Arme die Linke wählen?

Sohn: Viele, für deren Interessen wir antreten, sind ein wenig ungeduldig. Sie sagen zwar, wir bräuchten eine Alternative. So wie es SPD, Grüne, CDU und FDP machen, kann es nicht weitergehen. Aber unsere Bemühungen haben noch nicht zum Erfolg geführt. Das ist sicherlich ein Problem.

Im Moment sehen die Umfragewerte für die Linkspartei nicht gut aus. Weshalb rechnen Sie trotzdem damit, wieder in den Landtag einzuziehen?

Sohn: Die Werte sind wie vor fünf Jahren. Auch da hatten wir im Dezember um die drei Prozent. Geworden sind es dann 7,1 Prozent.

Könnten Sie sich vorstellen, in einer Koalition Regierungsverantwortung zu übernehmen, oder wollen Sie vor allem Oppositionarbeit machen?

Sohn: Unser Minimalziel ist der Wiedereinzug in den Landtag. Wir glauben, dass wir als linke Kraft im Parlament unentbehrlich sind. Unser Maximalziel ist, dass die FDP draußen bleibt und die Piraten erst gar nicht reinkommen. Und dass die Mehrheit links von der CDU so stark wird, dass diese Mehrheit aus SPD und Grünen sich dann noch die Linkspartei als linke Opposition neben der CDU als rechte Opposition leisten kann. Das wäre optimal, weil wir dann aus den Wahlprogrammen von SPD und Grünen Anträge stellen könnten. Und dann würden wir erleben, dass sie viele ihrer eigenen Wahlforderungen ablehnen.

Und wenn es für Rot-Grün allein nicht reicht? Gehen Sie dann auf den SPD-Spitzenkandidaten Stephan Weil zu?

Sohn: Das werden wir mit Sicherheit tun.

Gerechtigkeit steht ganz oben in Ihrem Programm. Was halten Sie für das drängendste Problem in Niedersachsen?

Sohn: Das sind die furchtbaren Löhne, die in vielen Bereichen nach wie vor gezahlt werden. Wir haben mehr als eine halbe Million Leute, die leben von Stundenlöhnen unter 8,50 Euro, 700 000 verdienen unter zehn Euro.

Ein ganz wichtiges Thema in Niedersachsen ist das Atommüll-Endlager, das nicht nur die Gemüter rund um Gorleben bewegt. Welche Position vertreten Sie?

Sohn: Gorleben muss aus dem Topf. Nach dem Asse-Desaster müssen wir ehrlich sagen, dass Salz als Lagermedium völlig unverantwortlich ist. Meines Erachtens ist auch der Begriff Endlager völlig irreführend. Dahinter steht ja die Vorstellung, wir verbuddeln das mal und dann ist es weg, aber die Asse ist der Beweis dafür, dass so eine Lagerung unseren nachfolgenden Generationen gegenüber völlig unverantwortlich ist.

Stichwort Bildung: Die Landesregierung will die Haupt- und Realschulen in Oberschulen zusammenfassen. Ist das der richtige Weg?

Sohn: Nein, denn die Landesregierung hat die Oberschule als Alternative zu den Gesamtschulen ins Leben gerufen. Wenn es aber nach den Eltern ginge, wäre Niedersachsen jetzt schon ein Land der Gesamtschulen. Sie führen bis zum Bildungsabschluss, und sie integrieren problemlos unterschiedliche soziale Schichten. (nh)

Von Hans Willms Und Michael Krüger

Zur Person: Dr. Manfred Sohn

 Der Fraktionschef der Linken im niedersächsischen Landtag hat eine bewegte politische Karriere hinter sich. Bereits als Schüler trat der gebürtige Braunschweiger der FDP bei. Dann wechselte er zur SPD, danach zur DKP und schließlich zur PDS, die in der Linken aufging. Der 57-jährige Diplom-Sozialwirt, der in Göttingen Sozialwissenschaften studierte, sitzt seit 2008 für die Linken im Landtag. Sohn ist verheiratet und hat drei Kinder. (jop)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.