Kampf gegen „Dickmacher“

Minister Schmidt will gesündere Fertigprodukte - Kritik

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Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU).

Im Kampf gegen "Dickmacher" will die Regierung Hersteller dazu bewegen, Zutaten in Fertigprodukten zu verändern. Doch der Opposition geht der Entwurf des Bundeslandwirtschaftsministers nicht weit genug.

Berlin - Für eine gesündere Ernährung sollen Tiefkühlpizzen, Müslis und andere Fertigprodukte nicht mehr so viel Salz, Zucker und Fette enthalten. Bis Mitte 2018 sollten sich die Hersteller freiwillig auf Zielwerte einigen und ihre Rezepte anschließend schrittweise anpassen, heißt es im Entwurf eines Strategiepapiers von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), aus dem die "Rheinische Post" am Montag zitierte. Ziel sei eine gesündere Ernährung auch für Menschen, die etwa durch mehr Informationen nicht erreicht würden.

Betroffen sind sämtliche Fertigprodukte. Darunter fallen industriell gefertigte Produkte aus einem oder mehreren Lebensmitteln, denen Zucker, Fett oder Salz zugesetzt wurde. Zucker reduziert werden soll in gesüßten Erfrischungsgetränken sowie in Joghurt- und Quarkzubereitungen. Frühstückscerealien sollen zudem auch nicht mehr so viele gesättigte Fettsäuren beinhalten. Brot und Brötchen sollen mit weniger Salz gebacken werden. In Tiefkühlpizzen sollen daneben auch weniger gesättigte Fettsäuren stecken. 

Schrittweise Anpassung

Die Anpassung soll demnach schrittweise in "kleineren, kaum sensorisch bemerkbaren Reduktionen" erfolgen. Dadurch solle eine Gewöhnung der Verbraucher gewährleistet werden, heißt es in dem Papier. Die neuen Rezepte müssten zu "geschmacklich akzeptablen Resultaten" führen, lautet eine weitere Vorgabe. Zudem dürften Haltbarkeit und Qualität der Lebensmittel nicht beeinträchtigt werden. 

Die Energiedichte der Produkte soll den Ideen des Ministers zufolge reduziert oder maximal erhalten werden. Zudem dürfe eine Änderung nicht dazu führen, dass in dem Lebensmittel etwa Zucker durch "höherkalorisches Fett" ersetzt werde.

Das Ministerium setzt darauf, dass möglichst viele Hersteller mitmachen. "Sollten die Unternehmen keine ausreichende Bereitschaft signalisieren, müssen administrative Konsequenzen in Betracht gezogen werden." Verpflichtende Vorgaben könnten aber Wettbewerbsvorteile großer Anbieter im Vergleich zu kleineren und mittleren verstärken. 

Der etwa 40-seitige Entwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung und soll voraussichtlich im Juli ins Bundeskabinett kommen.

SPD: „Schmidts Strategie nicht ausreichend“

Die SPD-Verbraucherpolitikerin Elvira Drobinski-Weiß erklärte, die Initiative Schmidts gehe auf die SPD-Fraktion zurück - in vielen Punkten sei seine Strategie aber nicht ausreichend. So müsse genau festgelegt werden, wann und wie die Industrie Auskunft über Maßnahmen und Erfolge gebe. Außerdem müssten auch Ärzte sowie Verbraucher- und Gesundheitsverbände eingebunden werden, um die Reduktionsziele festzulegen.

Ein übermäßiger Konsum dieser Nährstoffe gilt als eine Ursache etwa für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der deutschen Bevölkerung sei die Zufuhr von Zucker, Fett und Salz nach wie vor zu hoch, hieß es. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass zum Beispiel nicht mehr als zehn Prozent des täglichen Energiebedarfs durch Zucker gedeckt werden sollten. In Deutschland seien es mehr als 13 Prozent, erläutert das Ernährungsministerium.

afp/dpa

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