Frauke Heiligenstadt (SPD) aus Gillersheim strebt dritte Periode im Landtag an

Minister-Sessel im Visier

Die Küche ist das Revier von Gert Heiligenstadt. Wenn es die Zeit zulässt, geht das Ehepaar gern spazieren, verbringt Urlaube an der Nordsee oder in den Alpen. Hobbys? „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagte Frauke Heiligenstadt. Foto:  Oschmann

Gillersheim. Sturmerprobt ist sie: Frauke Heiligenstadt ist am 24. März 1966 in einer Nacht mit Schneegestöber geboren. In der Politik hat die Landtagsabgeordnete ebenfalls schon stürmische Zeiten erlebt.

Auch als sie ihrem Mann Gert am 1. März 1990 das Ja-Wort gab, fielen Hagel und Schnee vom Himmel.

Ruhiger dürfte die Wetterlage für die Gillersheimerin auch künftig kaum werden, schon gar nicht, wenn die Sozialdemokratin tatsächlich Niedersachsens neue Kultusministerin wird.

„Es hat mich natürlich riesig gefreut, als Stephan Weil fragte, ob ich dieses Amt im Falle eines positiven Wahlausgangs übernehmen würde“, erzählt die Gillersheimerin, die sich seit ihrem 18. Lebensjahr mit der Politik beschäftigte und schon wenig später als „junges Küken“ in den Ortsrat ihres Heimatorts einzog.

Inzwischen zählt Frauke Heiligenstadt längst zu den Spitzenkräften der Sozialdemokraten in unserem Bundesland. Sie ist stellvertretende Fraktionschefin im Landtag, schulpolitische Sprecherin ihrer Partei und Mitglied des Präsidiums. Ihre Berufung ins Schattenkabinett des Ministerpräsidenten-Kandidaten Stephan Weil kam also nicht überraschend.

In der Familie abgestimmt

Dass die 46-Jährige dann noch weniger Zeit als bisher daheim im Familienkreis verbringen kann, wird von allen akzeptiert. Mann Gert ist neben seinem Beruf in der Küchenleitung des Maßregelvollzugszentrum Moringen (ehemals Landeskrankenhaus) längst zusätzlich in die Rolle des Hausmanns geschlüpft und Tochter Lisa (18) steht kurz vor dem Abitur und geht ihre eigenen Wege.

Die gemeinsame Zeit ist äußerst rar geworden. Der Ehemann geht ganz früh als Erster aus dem Haus. Um 5.45 Uhr klingelt der Wecker von Frauke Heiligenstadt, dann weckt sie ihre Tochter und frühstückt mit ihr. Wenn Lisa zur Schule fährt, macht sich die Sozialdemokraten drei- bis viermal die Woche auf den Weg in die Landeshauptstadt. Meist ist sie nach vielen Terminen erst gegen Mitternacht wieder in Gillersheim.

Viel dazu gelernt

Die diplomierte Verwaltungswirtin, die 18 Jahre bei der Stadt Northeim gearbeitet hat, bevor sie 2003 erstmals in den Landtag einzog, hat in Hannover eigenen Angaben zufolge sehr viel dazu gelernt. „Man wird im Landtag durch die Konkurrenz und das Klima politischer“, räumt sie ein und fügt hinzu: „Gerade gegenüber den Medien müssen die Argumente geschärft sein, man muss Botschaften setzen.“

Natürlich hat die Gillersheimerin gerade in der Anfangsphase im Landtag einige Rückschläge einstecken müssen. Inzwischen hat sie sich - rhetorisch an der SPD-Führungsakademie geschult - ein dickeres Fell zugelegt. „Da prallen politische Attacken schneller ab und ich kann gezielt kontern.“

Nicht in die Tasche lügen

Wichtig ist für die Sozialdemokratin, dass sie sich selbst in die Augen schauen kann. „Natürlich habe ich mich verändert, aber ich lüge mir nichts in die Tasche und bleibe ehrlich“, lautet ihre Devise. Wenn’s ihr mal zu dicke kommt, hat sie auch eine Lösung parat: „Das beantworte ich jetzt nicht“, sagt sie dann.

Was steht bei der Gillersheimerin auf dem Plan, wenn sie Kultusministerin wird? „Mein Ziel ist es, Krippenplätze für alle zu schaffen und eine dritte Betreuungskraft in den Gruppen der Jüngsten, damit sie die Zuneigung bekommen, die für sie wichtig ist.“

Von Hans-J. Oschmann

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