Schläger sollen vor Gericht

Anklage nach Räumung von Mega-Studentenfeier 2012: Mischten Rocker die Party auf?

Auf dem Weg zur Facebook-Party - hier drei Wochen nach dem gesprengten Gießener in Backnang bei Stuttgart: In diesem Fall blockierte die Polizei das Festgelände gegen 1000 anrückende Jugendliche, bei Facebook angemeldet hatten sich mehr als 20 000. Foto: dpa

Gießen. Ein gutes Jahr nachdem in Gießen eine Massenparty gewaltsam aufgelöst worden ist, soll der Fall vor Gericht. Fünf studentische Wohngemeinschaften eines Mehrfamilienhauses in der mittelhessischen Uni-Stadt hatten damals auch per Facebook zur Sommersause geladen.

Mindestens 500 Gäste feierten im Haus und auf der Straße. Das Fest endete in der Nacht auf den 3. Juni unter Prügeln, mit Blaulicht, Krankenwageneinsatz und mindestens 15 Verletzten. Zu Informationen, denenzufolge Rocker der Hells Angels die Veranstaltung gesprengt hatten, äußert sich die Staatsanwaltschaft bis heute nicht.

Feier untersagt

Die Hausverwaltung, die solche Mammutpartys nach einschlägigen Erfahrungen untersagt hatte, alarmierte mitten in der Nacht erst die Polizei und dann ein privates Räumkommando. Das ging nach Augenzeugenaussagen laut Gießener Allgemeine schwarz gekleidet und mit Schlagstöcken gegen die Feiernden vor.

Gegen zwei der insgesamt zehn Party-Räumer hat die Staatsanwaltschaft kürzlich Anklage wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz erhoben. Die Ermittlungen gegen den Rest der handgreiflichen Truppe wurde nach Angaben von Staatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg zum einen mangels hinreichenden Tatverdachts für eine Anklageerhebung eingestellt: Zeugen hatten Verdächtige nicht eindeutig identifizieren können.

Weitere Verdächtige kamen wegen geringer Schuld mit Einstellung davon – mit oder ohne Geldauflage.

Mehrere Medien hatten kurz nach den nächtlichen Ereignissen berichtet, in den Reihen des Räumkommandos seien auch Mitglieder der Rockergruppe Hells Angels tätig geworden. hr-online zeigte auf seiner Homepage das Bild eines gelben Ferrari, in dem die Party-Schläger angerollt sein sollen und dessen Kennzeichen mit 8181 endet. Das ist eine bei der Rockergang beliebte Zahlenkombination: 8 und 1 stehen für H und A in Hells Angels. Die Hausverwalterin hatte dem Portal gegenüber die Rocker-Zugehörigkeit eines der Männer bestätigt. Andere, so die Frau, seien als Türsteher beschäftigt.

Staatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg will die Frage, ob Hells-Angels-Rocker die Studentenparty aufgelöst haben auch nach Erhebung der Anklage weder mit ja noch mit nein beantworten. Es gebe zu „derartigen Spekulationen keinerlei Auskunft“ der Anklagebehörde sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Von Wolfgang Riek

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