Mister Euro-Gruppe macht weiter

Porträt: Jeroen Dijsselbloem als Chef der Euro-Gruppe im Amt bestätigt

Vorsitzender der Euro-Finanzminister: Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem (48).

Brüssel. Jede Krise hat auch einen Gewinner. Jeroen Dijsselbloem gehört dazu. Der bisherige Chef der Euro-Finanzminister wurde am Montagabend mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt – ein Beweis für die gute Amtsführung gerade in den vergangenen Wochen.

Eine Szene zeigt das wie im Brennglas. Als der Niederländer an dem Samstag, als die Gespräche mit Griechenland angesichts des kurz zuvor verkündeten Referendums geplatzt waren und er nach der Pressekonferenz in den Kreis der Euro-Finanzminister zurückkehrte, brandete Beifall auf. Der Chef der Währungsunion hatte ausgedrückt, was alle empfanden: Bedauern, Verärgerung, Fassungslosigkeit.

Dabei war der 48-jährige niederländische Sozialdemokrat, der auch in seiner Heimat als Finanzminister einen umstritten strikten Sparkurs steuert, nicht immer so beliebt. Bei seiner Wahl an die Spitze der Währungsunion 2013 musste er sich gegen massiven Gegenwind seines Vorgängers Jean-Claude Juncker (inzwischen Kommissionspräident) und des französischen Kassenwarts Pierre Moscovici (heute Währungskommissar) durchsetzen.

Dass ausgerechnet die Griechenland-Krise dazu reichlich Gelegenheit bot, konnte Dijsselbloem, der aus einer Lehrer-Familie stammt und Agrarwirtschaft studiert hat, nicht ahnen. Aber tatsächlich erlebte der Eurogruppen-Chef schon bei seinem Antrittsbesuch bei der neuen Athener Regierung im Januar die erste öffentliche Brüskierung, als ihn der gerade frisch gebackene Finanzminister Gianis Varoufakis vor laufenden Mikrofonen abkanzelte. Dijsselbloem blieb hart in der Sache, immer wieder verbindlich im Ton. „Die Türe für die griechische Regierung steht weiter offen“, betonte er immer wieder – bis zuletzt.

Dijsselbloem studierte in Wageningen und im irischen Cork. Seither spricht er fließend Englisch. Mit 19 Jahren trat er in die sozialdemokratische Arbeiterpartei PvdA ein, engagierte sich vor allem für die Landwirtschaft. Die „roten Ingenieure“ wurden er und seine Studienkollegen genannt. Dazu gehört auch sein Freund Diederick Samson, inzwischen Chef der Partei. Er holte Dijsselbloem 2012 an den Kabinettstisch der Großen Koalition in Den Haag.

Doch mit Finanzpolitik hatte der Vater von zwei Kindern, der mit seiner Lebensgefährtin bis heute einen Hof mit mehreren Schweinen betreibt, zunächst gar nichts im Sinn. Bildung und Jugendhilfe waren seine Themen. Aber der Jazz-Liebhaber, der seine wenige Freizeit gerne auf der Brücke eines hochseetüchtigen Bootes verbringt, lernte schnell. Schon als er die Spitze der Eurogruppe übernahm, galt Dijsselbloem als strikter Verfechter einer energischen Haushaltssanierung sowie des Merkelschen Sparkurses.

Zunächst verordnete er seinem eigenen Land eine radikale Rotstift-Politik. Dann machte er in der Währungsunion weiter. Für die Euro-Partner war der Mann eine überraschende Erfahrung. Zum einen hatte es seit Einführung der Gemeinschaftswährung noch nie einen anderen Vorsitzenden als Juncker gegeben. Zum anderen entpuppte sich der Niederländer als ein Politiker, dessen Analysen immer häufiger Beachtung fanden. Wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble inzwischen am Rande eines Ministertreffens in Brüssel betont, „Das hat der Eurogruppen-Vorsitzende schon alles gesagt“, bedeutet das viel.

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