Umstrittene Ergebnisse

Studie: Mit jedem Kind erhöht sich das Armutsrisiko von Familien

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Als arm gelten Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. 

Familien sind finanziell häufig schlechter gestellt als bisher angenommen - sagt die Bertelsmann-Stiftung in einer neuen Studie. Besonders bei kinderreichen Familien ist das Armutsrisiko demnach größer als gedacht. 

Gütersloh - Die Entscheidung für Familienzuwachs ist nicht zuletzt eine finanzielle Frage: Denn das Armutsrisiko von Familien erhöht sich mit jedem weiteren Kind, wie aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht.

Danach war 2015 rund jedes achte Paar (13 Prozent) mit einem Kind armutsgefährdet, rund jedes sechste Paar mit zwei Kindern (16 Prozent) und fast jedes fünfte (18 Prozent) mit drei Kindern.

Als arm gelten demnach Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Die Studie beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Das Armutsrisiko von Familien sei damit deutlich höher, als bislang angenommen, so die Forscher der Ruhr-Universität Bochum, die die Studie erstellt haben. Sie kritisieren die in der Armutsforschung weit verbreitete OECD-Methodik - und setzen auf eine neue Berechnungsart. Eine Folge der bisherigen OECD-Methodik sei, dass arme Haushalte systematisch reicher gerechnet werden als sie sind, und reiche Haushalte systematisch ärmer, sagt Antje Funcke, Expertin für das Thema bei der Bertelsmann-Stiftung.

Ein Beispiel: Die Studie der Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass 68 Prozent der Alleinerziehenden 2015 armutsgefährdet waren - nach der OECD-Methodik sind es mit 46 Prozent deutlich weniger. Zudem habe sich von 1991 bis 2015 die Einkommenschere zwischen wohlhabenden und armen Familien viel stärker auseinander entwickelt als bislang angenommen.

OECD-Experte: "Die Diskussion um die Methodik wird seit den 90er Jahren geführt"

Knackpunkt ist die Berechnung der sogenannten Äquivalenzskalen: Sie benutzen Forscher, um verschieden große Haushalte miteinander vergleichen zu können. Ein Beispiel: Eine Familie mit vier Personen hat gegenüber einem Single den Vorteil, dass sie nicht vier Esstische für den gleichen Wohnkomfort braucht. Dadurch hat die Familie Einsparungen und diese berücksichtigen die Äquivalenzskalen.

Laut OECD-Skala ist es so, dass für jedes Haushaltsmitglied über 14 Jahren ein Äquivalenzgewicht von 0,5 und für jedes unter 14 Jahren von 0,3 angenommen wird. Die Forscher der Ruhr-Universität haben nun zusätzlich das verfügbare Haushaltseinkommen berücksichtigt.

Der Ruf nach einer neuen Methodik ist nicht unumstritten: "Die Diskussion um die Methodik wird seit den 90er Jahren geführt", sagt der OECD-Experte für dieses Thema, Michael Förster. Wieder methodische Diskussionen zu führen, sei ein Rückschritt. Es brauche die OECD-Skala, um Ländervergleiche zu ermöglichen. Der Trend der Bertelsmann-Studie sei aber sicherlich richtig, "wir kommen im Detail nur zu anderen Ergebnissen".

Die Stiftung fordert angesichts der neuen Studie ein größeren Gewicht auf die Bekämpfung von Armut zu legen. Vor allem Alleinerziehende bräuchten stärkere Unterstützung.

dpa

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