Streit um Lohnverzicht in Gersfelder Diakonie-Altenheim

„Mitarbeiter werden mundtot gemacht“

Gersfeld. Im beschaulichen Rhönstädtchen Gersfeld brodelt es derzeit: Grund sind Auseinandersetzungen zwischen Stefan Burkard, dem Geschäftsführer des Evangelischen Alten- und Pflegeheims, und der dreiköpfigen Mitarbeitervertretung (MAV) dort. Sie waren zunächst in die Kündigung aller drei MAVler gemündet. Burkard wirft ihnen Datenschutzverletzungen vor und dienstrechtliche Verfehlungen. Inzwischen ist nur noch von einer Kündigung die Rede und zwei Abmahnungen.

Bundesweit einmalig sei dieser skandalöse Vorgang, sagen die Arbeitgemeinschaft der MAV in Kurhessen-Waldeck und die Gewerkschaft Ver.di, die in Gersfeld in dieser Woche eine Demonstration organisiert hatten. Hintergrund ist die Vermutung der MAV, dass Burkard die rund 50 Mitarbeiter ungleich behandelt. Seit 2009 nämlich verzichten sie laut einer Dienstvereinbarung auf 20 Prozent ihres Gehaltes. Eine solche Notlagenvereinbarung exisitiert nach Auskunft von Hans Roth von der Arbeitsgemeinschaft in der Hälfte der Diakonischen Einrichtungen, um Beschäftigung zu sichern.

Nun sei jedoch der Verdacht aufgekommen, dass nicht alle auf die 20 Prozent verzichten müssen. Daher, so Roth, habe die Gersfelder MAV detaillierte Unterlagen gefordert. „Nun will man sie mundtot machen.“ Stefan Burkard erklärte auf Anfrage, er habe immer Wert auf Transparenz gelegt, er verstehe die Auseinandersetzung nicht.

Der Sprecher des Diakonischen Werkes in Kassel, Eckhard Lieberknecht, sagt, „von die Dienstvereinbarung sind nach unseren Informationen alle Mitarbeitenden betroffen. Es wäre aber auch zulässig, differenzierende Regelungen zu treffen.“

Was genau Burkard den drei Mitarbeitern vorwirft, will er aufgrund des Vertrauensschutzes nicht sagen. Er ist überzeugt, im Recht zu sein.

Wie die verfahrene Situation bereinigt werden kann, vermag auch Hans Roth derzeit nicht sagen. Angeblich steht die Belegschaft nicht geschlossen hinter ihrer MAV, ob auf Druck oder aus eigenen Stücken, bleibt offen.

Ver.di will Tarifverträge

Für Ver.di und die Arbeitsgemeinschaft MAV belegt der Gersfelder Streit jedenfalls, dass endlich auch im kirchlichen Bereich Tarifverträge einzuführen seien. Die geplante Fusion der Diakonischen Werke von Kurhessen-Waldeck und Hessen-Nassau ist für sie genau der richtige Zeitpunkt dafür. Der „dritte Weg“ der Kirche, der auf Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten setzt, habe sich nicht bewährt, so Florian Rehm von Ver.di. Lieberknecht dagegen meint, in der Regel sei die Zusammenarbeit „konstruktiv und vertrauensvoll“.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.